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Pokhara - die Stadt am Fuße des Himalaya

Nach 5 Tagen im unglaublich bewegten und lebhaften Kathmandu entschieden wir uns nach Pokhara zu fahren, die Stadt, in der nahezu alle Trekking-Aabenteuer starten und enden. Und da wir in jedem Fall nach Nepal wollten, um ein paar der höchsten Berge der Welt zu sehen und auch um etwas der großen Stadt zu entkommen, machen wir uns auf den Weg.

Am 15.01 geht es morgens früh um 6 Uhr für uns los.

Wir müssen zur Busstation von Kathmandu von der alle Reisebusse abfahren, diese ist zum Glück nur 5 Minuten von unserem Hotel entfernt. Dort angekommen sehen wir schon einige Busse aufgereiht. Anhand unseres Tickets müssen wir unseren Bus finden. Ich denke zuerst, so schwer kann das ja nicht sein, Busnummer und Unternehmen stehen auf dem Ticket und der Hotelmitarbeiter sagte darauf sollen wir achten. Doch dann fangen immer mehr Busfahrer oder Reisebegleiter an uns zu fragen, welchen Bus wir nehmen und wohin wir wollen, sie gucken auf unser Ticket und deuten, dass wir „weiter, weiter, weiter“ müssen. Zuerst gewinnt man den Eindruck, dass sie einen für ihren Bus gewinnen wollen, obwohl man ja bereits ein Ticket gekauft hat. Doch ganz schnell wird klar, dass sie wirklich versuchen die Leute den richtigen Bussen zuzuordnen, denn die Reihe der Busse ist endlos. Unübertrieben. Wir können irgendwann nicht mehr Anfang und Ende der aneinandergereihten Busse sehen, die sich nur an einer Straßenseite entlang reihen. Irgendwann scheint uns der richtige Mann gefunden zu haben und leitet und begleitet uns zu einem Bus, der wohl unserer ist. Ich versuche Busnummer und Unternehmen mit unserem Ticket abzugleichen, doch ich steige hinter dem System nicht durch bzw. hier scheint nichts offensichtlich zu sein.  Also bleibt uns nicht viel übrig und wir vertrauen den Menschen um uns herum, dass es der richtige Bus und die richtige Richtung ist.

Der Bus ist komplett leer und die deutsche Pünktlichkeit ist eben deutsch und so fahren wir nach nepalesischer Uhr los nachdem nochmal das Gepäck irgendwo im Bauch des Busses verstaut ist, die Frontscheibe des Busses nochmal geputzt ist und alle 8 Passagiere ihrem Platz (alle auf der rechten Busseite) zugewiesen worden sind.

Dann wird der Motor gestartet und auf einmal dröhnt ein blechernes Hämmern durch den Bus, in einem relativ konstanten Tempo. Dsch, dsch, dsch, dsch…..

Ich male mir schon das schlimmste Szenario aus, dass der Bus kaputt ist, ein Reifen platt ist oder irgendwo ein Teil des Hecks über die Straße schleift und wir damit nun fast 200 km über Berg und Tal fahren sollen. Dann auf einmal ertönt das Geräusch von der anderen Seite. Und da wird klar: Das ist der nepalesische Rückwärtssensor des Busses. Ein Mensch, der am Heck des Busses steht, mit der bloßen Hand auf das Gehäuse des Busses schlägt und dem Fahrer vermittelt, wie weit er zurück setzten kann. Erleichterung! Es ist nur das!

Dann geht die Fahrt los. Es rumpelt und ruckelt, wir werden auf und ab gerüttelt. Die Straßenlage, das haben wir schon vorher gemerkt, ist teilweise sehr uneben, und das bekommen wir jetzt zu spüren, doch jetzt wissen wir noch nicht, dass das gar nichts ist im Vergleich zu dem, was noch auf uns wartet.

Wir sind auch ohne turbulente Busfahrt schon so angespannt, da ein Essen von den vorherigen Tagen uns gar nicht gut bekommen hat und immer noch seine Wirkungen zeigt. Wir hoffen und geben alles, dass wir die Busfahrt ohne Zwischenfälle überstehen.

Wir lassen langsam Kathmandu hinter uns. Die Straßen werden enger, sie werden steiler und sie werden holpriger. So holprig, dass wir zwischenzeitlich keinen Sitz mehr unter uns spüren und Wirbelsäule und Nacken im Sitzen so viel ausgleichen müssen, als ob wir dauerhaft auf dem Trampolin springen würden und ich schon fast Angst habe irgendwann ein Schleudertrauma erleiden zu können.

 

 

Wir fahren 7 Stunden lang um die 200 Kilometer hinter uns zu lassen. Wir sind durch unsere kämpfenden Körper so müde, dass wir, trotz der durchaus wilden und rapiden Fahrweise und Straßenlage, relativ viel schlafen. Ab und zu werden wir wach und können langsam erahnen, was hinter der grauen Luft außerhalb von Kathmandu auf uns wartet. 

In Pokhara angekommen werden wir von einer Reihe Taxifahrern und anderen umherschwirrenden Menschen belagert und gefragt, ob wir ein Taxi oder Hotel brauchen. Wir wollen in dem Moment einfach nur erstmal ankommen, wollen uns orientieren, wollen unser Gepäck organisieren. So manches Mal muss man da tief durchatmen, dass man nicht im nächsten Moment laut und genervt durch die Masse fremde Menschen anbrüllt, dass man jetzt mal gerade 5 Minuten bitte braucht. Viele lassen schnell ab, als wir nicht reagieren, einige werden direkt in Auftrag genommen von anderen Passagieren, einige bleiben dran.

Wir setzten uns erstmal mit einer Fanta an eine Art Café am Rande des Parkplatzes. Einem Mann, der irgendwie penetrant aber auf eine sehr ruhige Art und Weise auf uns einredet und sein Hotel anpreist und uns ein relativ gutes Angebot macht, schenken wir unser Vertrauen und sagen uns, wir können es ja mal versuchen. Vielleicht sind diese Angebote ja nicht nur schlecht.

Wir fahren schließlich mit einem Taxi zu seinem Hotel und beziehen sofort das Zimmer. Auf den ersten Blick, für 10$ die Nacht, okay. Dann auf den zweiten Blick, überall Schimmel, feuchte Wände, sodass die Farbe abplatzt und Blasen wirft, die Dusche und das Klo kaputt und wirklich nur lau warm. Wir wissen, dass wir nicht in einem Luxusurlaub sind und das erwarten wir nicht aber wir wissen auch, dass es selbst für die 10$ bessere Unterkünfte gibt. Und uns ist klar, morgen gehen wir woanders hin, aber heute haben wir einfach keine Kraft mehr. Wir sehnen uns danach uns einfach nur in die Horizontale zu begeben. 

Bei der Taxifahrt konnten wir schon sehen, dass Pokhara anders ist als Kathmandu. Auch eine nicht gerade kleine Stadt aber ruhiger, klarer, sauberer, entschleunigter. Wir raffen uns auf, da wir auch noch etwas zur leichten Stärkung brauchen und gehen zum zweit größten See Nepals: dem Phewa See. Langsam tritt auch die Abenddämmerung ein, ein leichter, orangener Dunst legt sich über die Stadt und die Berge drum herum, es ist auch hier leicht staubig und diesig und die Berge werden mit jeder Minute schwerer umrissen und werden in ein leichtes Orange getränkt. 


Die eigene Dynamik, ein Gefühl eines Urlaubsortes, die freundlichen, wenn auch geschäftstüchtigen Menschen dieser Stadt, die Ruhe des Wassers und die Umgebung der Berge lässt uns ankommen und uns unheimlich wohl fühlen. Hier ist es schön.

Am nächsten Tag ziehen wir trotz Fieber und sehr geschwächten Zustand um. Aber das neue Hotel ist wirklich toll. Ein warmer Empfang und ein unglaublich sauberes Zimmer, in dem man sicher vom Fußboden essen kann, wartet auf uns. Das Hotel wird von einer Familie geführt und das merkt man.

Die nächsten Tage sind geprägt von ruhigen Aktivitäten, Schonkost und viel Liegen, in der Hoffnung insbesondere der Zustand von Richi verbessere sich. Doch da sich Fieber und andere Umstände nicht bessern wollen, eher im Gegenteil, statten wir in unserer ersten Woche Nepal schon einem Arzt einen Besuch ab. Erster Zwischenfall und wir haben unsere Weltreise nicht mal richtig begonnen. Wir können es fast nicht glauben und sind einen Moment lang etwas deprimiert.

Der Arzt ist sehr ruhig, sehr nett. Untersucht Richi kurz und schnell ist klar: Lebensmittelvergiftung. 8000NPR (nepalesische Rupien) leichter und einen Sack voller bunter Pillen geht’s dann wieder zum Hotel, nachdem Richi auf eigenen Wunsch hin mit dem Motorrad mit zum ATM fahren durfte. Zum Motorrad fahren ist man wohl nie zu krank.

Wir organisieren also vom Bett oder Balkon aus unsere weiteren Tage und geben alles dafür, dass wir bald schnell wieder fit sind und wir trekken gehen können. 


Weil wir uns so wohl hier fühlen und wir das Gefühl haben, dass dieses Land noch einiges für uns zu bieten hat, entschließen wir uns, dass wir das 30 Tage Visum nochmal um 15 Tage verlängern. Dazu mieten wir uns einen Roller, um zum Immigration Office zu gelangen. Dieses Unterscheidet sich hinsichtlich seiner Ruhe, Gelassenheit, Verwirrtheit und Hilfsbereitschaft nicht allzu sehr vom gut bekannten Bürokraten-Deutschland.

 

Die Rollerfahrt dahin ist schon ein Abenteuer. Ich traue mich gar nicht erst zu fahren. Rollerfahren an sich bin ich schon nicht so wahnsinnig geübt drin aber dann auch noch bei der Fahrtweise hier, da bin ich skeptisch. Also fährt Richi. Schon nach kurzer Strecke sagt er, dass Rollerfahren hier alles andere als einfach ist. Es verlangt so viel Konzentration und Aufmerksamkeit ab. Man muss Ohren und Augen überall haben. Menschen überqueren einfach die Straße und alle anderen Verkehrsteilnehmer fahren drum herum. Ob das nun auch bedeutet, dass man auf die Gegenfahrbahn fährt, ist egal, der nächste wird ja auch ausweichen. Ampeln gibt es hier keine. Auf eine Kreuzung musst du einfach drauf fahren. Wenn du es schaffst, nimmst du eine Lücke, wenn nicht dann nicht. Dann fährst du einfach und jemand wird dir eine Lücke machen. Und so wie du, machen es alle. Es ist ein geordnetes Chaos, nur das wir es nicht wie sonst als langsamer Fußgänger betrachten, sondern als direkter Teilnehmer auf der Straße mit gewisser Geschwindigkeit. In dem Moment bin ich wirklich froh, wie souverän Richi hier mit dem Verkehr klar kommt und sich einfügt, als ob er schon immer hier gefahren wäre.

Mit dem Ausflug zum Immigration Office verbinden wir direkt einen Roller-Tag rund um Pokhara. Wir machen uns auf der Suche nach einem Wasserfall, den wir leider nicht finden können. Wir fahren zur World Peace Pagoda oder auch dem Schweigekloster, die wie ein Wahrzeichen über der Stadt schwebt.

 

Der Weg dahin erstreckt sich durch einen knöcheltiefen Staub und Sandweg, sodass wir drei Mal stecken bleiben und ich einen Teil zu Fuß gehe, während Richi versucht den Roller gekonnt, driftend den Berg hinauf zu manövrieren. Uns ist schleierhaft, ob das wirklich der offizielle Weg ist, da es wirklich äußerst schwierig ist und man selbst zu Fuß das Gefühl hat man würde in Treibsand oder Moor stecken und irgendwann nicht mehr vom Fleck kommen könnte.  Und auch unser Roller findet diese Masse an Staub irgendwann nicht mehr lustig und beginnt auszugehen und zu husten. Irgendwann erreichen wir dann den Fuß der Pagode. Unser Roller und wir sind eingestaubt wie Porzellanfiguren im Antiquitätenladen. Als wir parken sehen wir, dass viele andere Autos und Roller von einer ganz anderen Richtung kommen. Also doch, denken wir. Das war wohl nicht der offizielle Weg. 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem leicht anstrengenden Fußmarsch zur Pagoda hoch, können wir einen tollen Blick über die Stadt und das Umland genießen, wenn auch die Sicht nicht sehr weit ist, da es lange nicht geregnet hat.

Was jedoch als Schweigekloster ausgeschrieben ist und auch überall Schilder zum Schweigen auffordern, scheint kaum jemanden zu interessieren, selbst die Einheimischen haben hier vielleicht schon aufgegeben dieses Ritual durchzusetzen. Eigentlich wirklich sehr schade, da es diesem schönen Ort nochmal eine ganz besondere Atmosphäre und Feeling gegeben hätte.  

Auf dem Rückweg durch die Stadt halten wir zum Mittagessen an einem kleinen, unscheinbaren Imbiss oder Restaurant an. Es hat unsere Aufmerksamkeit dadurch bekommen, dass hier ein durchaus geschäftiges Treiben herrscht und nur Einheimische vorbeikommen, schnell etwas Essen oder etwas zum Mitnehmen kaufen. Also wagen wir es. Und es ist das allerbeste Chowmein, das wir bisher in Nepal gegessen haben, frisches Gemüse, leicht scharf, leichtes Röstaroma hmmm köstlich, wir hätten am liebsten unsere Taschen vollgestopft. Und dann der Preis. Zwei ordentliche Portionen und zwei kleine, lustig aussehendes Süßigkeiten für 150 NPR!!! Das ist gerade mal etwas über 1€. Das war also wirklich was für die Einheimischen.

Gestärkt machen wir uns auf zu dem höchsten Punkt um Pokhara auf. Sarangkot nennt sich der Punkt und liegt 1592m hoch. Jedoch lassen uns mal wieder Googlemaps und die Beschilderung vor Ort im Stich. Wir fahren die Straße rauf, wollen manch Abzweigungen nicht trauen, da wir ja wie zuvor bei der World Peace Pagoda gesehen haben, dass es auch richtige Straßen gibt. Also fahren wir wieder runter und wieder rauf. Irgendwie finden wir mal wieder irgendeinen Weg, werden jedoch oftmals argwöhnisch angeschaut. Aber wir schaffen es. Und können eine zauberhafte Dämmerung über Pokhara genießen und fahren schließlich mit dem Roller in den Sonnenuntergang.

POKHARA hat uns schließlich wirklich verzaubert. 

Nach diesem ereignisreichen und wirklich schönen Ausflug um Pokhara organisieren wir die nächsten Tage alles für unseren Trek im Annapurna Gebirge. Wir besorgen uns unsere Permits für den Nationalpark und die Trekking-Wege.

Besorgen uns noch Verpflegung für zwischendurch, denn es heißt Snacks werden proportional zur Höhe immer teurer und zwei Schlafsäcke, von denen wir hoffen, dass wir sie wirklich brauchen, denn sie bedeuten einiges an Mehrgewicht.

Zwischen dieser ganzen Organisation, Recherche, Kaufen und Verhandeln gönnen wir uns auch zwei Abende in einem Freilichtkino namens „Movie Garden“. Wirklich ein Garten mit Kino und leckerem Tee und Pizza. Eine einmalige und so kreative Idee, wir sind ganz hin und weg. 

Das ist unser Eindruck von Pokhara. Auch hier merkt ihr, es gibt so viel zu sehen, so viel zu erleben und uns gefällt es wirklich gut hier. Es hat klar eine touristische Auslegung und zur Hauptsaison sicherlich nochmal ganz extrem. Aber wir empfinden es hier als sehr angenehm, hier und da wird versucht etwas zu verkaufen oder Gäste für Restaurants zu gewinnen aber alles auf recht freundliche, ruhige Weise. Und ein ‚Nein‘ ist auch kein Problem.

Man merkt auch klar die Entwicklung der Stadt den Fokus auf den Tourismus noch mehr zu stärken, überall wird etwas Neues gebaut. Trends der veganen und biologischen Ernährung kommen auch hier bereits an. Bars und Restaurant versuchen viele westliche Aspekte aufzugreifen, Happy Hour und Livebands versuchen Gäste zu locken, sowie die Hotels mit „Free Wifi“ und einer „24h Hot Shower“ werben.

Aber dem Land und der Region geht es dank dem Tourismus immer besser und kann sich entwickeln, kann die Infrastruktur aufbauen und dem immer noch sehr armen Land eine Richtung und Zukunft geben.

 

Hier noch ein paar weitere Impressionen von Pokhara:

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