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Annapurna Base Camp, Tag 1 - Treppen, Treppen, Treppen

Morgens um 8 Uhr holte uns ein Taxi vom Hotel ab. Wir dachten, wenn es in die Berge geht, dann müsste es ja schon ein größeres sein, nicht so eine Klapperkiste, mit der wir vom Bus zum Hotel vor einer Woche gefahren waren.

Aber als wir auf die Straße gingen, stand ein bisschen modernes und bisschen größeres Taxi, als wir bisher mit gefahren sind, auf der Straße. Na gut, dachten wir, so ist es. Backpacks rein und los geht’s.

Die Fahrt durch Pokhara war noch recht angenehm, aber schon bald ging es über Berge und Täler und je weiter wir fuhren, desto holpriger wurden die Straßen, die Löcher wurden auch immer größer und die Umwege des Taxisfahrers, um den Kratern irgendwie auszuweichen, wurden auch größer. Ich erinnerte mich schnell wieder an die Fahrt mit dem Bus von Kathmandu nach Pokhara und hatte das gleiche Gefühl wie damals im Nacken. Wenn das so weiter geht erleidet man bestimmt ein Schütteltrauma. Also wurde nochmal versucht sich so richtig festzuhalten und die Erschütterungen weniger stark wirken zu lassen.

Nach 1,5h Buckelpistenfahrt kamen wir schließlich in Naya Pul an. Der Parkplatz war sehr unscheinbar. Nur aufgrund von ein paar Taxis und Jeeps, ließ darauf schließen, dass hier wohl Endstation war und wir von hier aus nun das Wandern starten konnten.

Wir befanden uns in einem Tal am Fuße eines kleinen Berges, direkt an einem recht breiten Fluss, der aber aktuell nicht viel Wasser zu haben schien. Das Wasser war jedoch schon wirklich klar und wir konnten einen ersten Eindruck gewinnen, dass hier wirklich die Natur anfängt und wir in und mit dieser die nächsten Tage leben werden.

 

Zur Stärkung und Orientierung tranken wir erstmal einen Kaffee in einem kleinen aber wirklich äußerst geschickt gelegenem Restaurant. Hier trafen wir auch direkt auf die ersten gespannten Wanderfreudigen, zwei Backpackerinnen, die auch im Begriff waren hier ihren Trek zu starten. Sie hatten allerdings auch einen Guide dabei, der Ihnen wohl den Weg zeigen würde. Wir hatten uns bewusst dagegen entschieden, damit wir unser Tempo und unseren Trek so frei wie möglich gestalten können, zudem hatte unsere Recherche ergeben, dass man für die Weg an sich keinen Guide brauchen würde.
Wir präparierten uns noch für die erste Etappe, Tape auf alle möglichen Stellen, die Druck oder Reibung ausgesetzt sein könnten, da kurze Wege uns bereits schon mal offene Hüftknochen beschert haben. Also lieber auf Nummer sicher gehen. 

Und dann ging es die ersten Meter los! Wir waren die letzten Tage so gespannt gewesen auf diese Zeit, wie wird es werden, wie anstrengend wird es die Berge hoch und runter zu kraxeln, was werden wir sehen, welche Tiere werden wir begegnen und welche und wie viele Menschen werden wohl unterwegs sein? Es war das erste Mal richtig Trekken für uns. Aber alle Planung alles Lesen und Vorbereiten sagt dir nicht wie gut du alles wegsteckst und wie es dir ergehen wird.
Also einfach los und probieren.

Nach den ersten Metern mussten wir schon feststellen, dass von dem einen der Schuh nicht richtig sitzt, hier der Rucksack irgendwie drückt und relativ schwer ist (obwohl wir uns sehr bemüht hatten nur das Nötigste einzupacken), da scheuert die Hose….
Aber was solls, wir wollten das machen, da half jetzt einfach nur durch. Und schon nach einem Kilometer merkten wir von den Wehwehchen fast nichts mehr. Vielleicht auch weil wir schon sehr von der Umgebung und der Dynamik, die dort einfach auf den Wegen schwingt eingenommen waren und der Fokus sich auf komplett andere Dinge richtet.

Die Wege, die man geht, und über die man anfängt nachzudenken, wohin und wo lang sie einen führen, der Fluss, der die Umgebung mit einem Rauschen erfüllt und den wir die nächsten Tage selbst in großen Höhen hören werden, andere Trekker, die wir überholten oder die uns überholten mit Guide und Taschenträger (Porter) oder auch ohne, sind die ersten Eindrücke, die einen gedanklich wegtragen.

 

An unserem ersten Tag erstreckte sich unsere Etappe von Naya Pul bis Ulleri. Rückblickend vermutlich fast die anstrengendste Strecke der ganzen Tage. 15km lang und …… Anfangs ging es stetig, fast angenehm hoch auf breiten Straßen, diese wurden immer schmaler und gingen schließlich in unendliche Treppen über. Wahrhaftig unendlich. Angeblich sind es 17000 Stufen!!!

Diese führten uns durch zauberhafte Dörfer, die so wirkten als ob es das Paradies auf Erden ist. Blaue Häuser in einer natürlichen Ruhe im Hang gelegen, umgeben von Grün, belebt durch Tiere und Menschen und eine Aussicht, die einfach atemraubend war. 


Aber mit jeder Stufe und Treppe mehr, die hinter jedem Hang oder Kurve sich erneut ankündigten wurden die Beine schwerer, die Lungen weiter und die Pausen häufiger und länger. Und dann war der Moment da, in dem Schilder und Häuser Ulleri ankündigten, das Ziel und Ende für den Tag greifbar. Und als wir uns die letzten Stufen des ersten Tages zum Hotel hochschleppten, waren wir echt fertig aber auch unendlich froh es endlich geschafft zu haben und die Vorfreude auf ein warmes Abendessen war riesig.
Wir konnten ein kleines Zimmer mit eigenem Bad, schöner Aussicht auf die Berge und warmer Dusche beziehen, die je weiter man noch oben kommt wohl immer rarer werden, so hieß es. Das Essen war leider nicht komplett so wie wir es uns ausgemalt hatten. Eine etwas lauwarme Mini-Pizza und noch lauere gebratene Nudeln und Dal Bhat, an dem nichts auszusetzen war. Und es tat dennoch einfach nur gut. Wir hatten kein richtiges Mittagessen gehabt außer ein paar Snacks, das war definitiv der größte Fehler des Tages, sonst wären wir mit Sicherheit die Treppen hochgesprintet. Hahahahah!!!!

Super erschöpft und mit vollen Bäuchen verkrochen wir uns auch schon bald nach dem Essen in unser recht kühles Zimmer. Aber unter zwei dicken Decken und mit Jogginghose, Longsleeve und Jacke wurde es dann irgendwann kuschelig warm und wir schliefen so tief und fest wie seit 100 Jahren nicht.

 

Das war der erste Tag vom Annapurna Base Camp Trek, unserer ersten Trekkingerfahrung und trotz aller Anstrengung waren wir jetzt schon voller Vorfreude, was wir die nächsten Tage noch erleben werden. 

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