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Annapurna Trek Tag 5 - Zusammen ist man weniger allein

Heute ging es nach einem schnellen Frühstück auch schon wieder weiter. Ab Tadapani scheiden sich die meisten Wege der Trekker. Fast alle gehen nur den Poon Hill Trek und dann direkt über Gandruk wieder zurück. Wir waren aber ja in der Mission ABC Trek unterwegs. Also die Route bis zum Fuß des Annapurna. Dazu brauchten wir geschätzt noch weitere 5 Tage. Unser heutiges Ziel war daher Chomrong.

 

Aber die Strecke dahin wurde recht ruhig, wohingegen man auf den anderen Wegen bisher ständig andere Wanderer trifft. Zwischenzeitlich fühlten wir uns sogar etwas einsam. Aber wir wurden immerhin ab und zu von ein paar Tieren begrüßt. Als erstes begegneten wir einem genauso einsamen Büffel mitten im Wald. Zuerst waren wir etwas skeptisch wie so ein großes Tier im Wald wohl auf so zwei farbenfroh gekleidete Menschen reagieren würde, die in einem Meter Abstand an ihm vorbei müssen aber er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und fraß genüsslich sein Gras und Laub weiter, ließ uns jedoch auch keinen einzigen Augenblick aus den Augen. 

Der Weg nach Chomrong hatte etwas andächtiges, sehr viel Ruhe, Weite und etwas Verlassenes.
An sich haben wir das sehr genossen, wenn nicht einige Male uns unsere Karte auf unserem Smartphone verließ und auch die Zeichen auf den Wegen, sei es Flaggen, Schilder oder Pfeile immer weniger oder einfach so uneindeutig wurden, sodass wir oftmals raten mussten in welche Richtung es weiterging. Viele Male hatten wir die richtige Intuition. Doch ein paar Mal hörten wir aus der Ferne ein schrilles Pfeifen. Wir drehten uns um und klein am Horizont winkten Leute und machten uns mit wedelnden Händen zu verstehen, dass wir in die andere Richtung gehen sollten. Wir empfanden das als unglaublich nette Hilfe und auch sehr aufmerksam, dass sie uns da am Ende des Horizonts überhaupt bemerkt hatten. Wenn wir Ihnen dann noch von näherem begegneten, fragten sie immer „Chomrong?“ und lächelten dabei und wiesen nochmal in die Richtung, in die wir gehen sollten. 


Einmal versuchte uns auch ein Mann quer über ein Tal hinweg zu verstehen zu geben wir sollten doch umdrehen, dies verstanden wir jedoch nicht und gingen weiter bis wir schließlich an ihm vorbeikamen. Da sagte er zu uns, dass der andere Weg viel besser und kürzer sei, dass das Schild vorne einfach falsch sei und aber nun sei es ja nun einmal so und dieser Weg würde auch gehen. In der Siedlung, in der er lebte standen gerade mal drei kleine sehr einfach Häuser und wir fühlten uns so ziemlich am A**** der Welt aber er sprach in einem so flüssigen Englisch, dass wir zugegebenen Maßen leicht erstaunt waren. Zudem war er so ehrlich und lachte nur über die Beschilderung und empfahl uns, dass wir unbedingt in Chomrong in einem Hotel schlafen sollten und bloß nicht in einer der Lodges der Vororte. Da mussten wir etwas schmunzeln, denn oftmals sind die Menschen froh um jede Rupie und wollen auch ihren Nachbarn nur das Beste aber er sprach wohl irgendwie aus Erfahrung und wünschte uns eine gute Zeit. Wir waren jedenfalls sehr dankbar für seine Mühen.
Dann ging es erstmal wieder weiter. Wir streiften eine kleine Ortschaft, die nur aus einer Schule und einem kleinen Restaurant bestand. Hier haben wir vermutlich so lange wie noch nie auf ein paar gebratenen Nudeln gewartet, wir hatten schon das Gefühl, dass sie die Nudeln selber machen und das Gemüse erst noch vom Feld holen müssen, denn wir konnten uns nicht vorstellen, warum die sonst so fixen Nudeln über eine Stunde brauchten.
Aber hier ticken die Uhren anders, wenn es überhaupt Uhren gibt. Wenn ein Nepali sagt, dass ein Weg eine Stunde braucht sind es für uns mindestens zwei. Bei allen anderen Zeitangaben ist es etwa das gleiche. Und in vielen Momenten sind wir aber auch einfach sehr dankbar für dieses entschleunigte Leben. Alles braucht eben seine Zeit, die es nun einmal braucht und es wird nicht gedrängelt und gestresst, sondern alles „Bestari, Bestari“ gemacht (nepalesisch – langsam, langsam) und das ist einfach so. 

Aber deswegen hatten wir sehr viel Zeit den Ausblick und die umliegende Natur zu genießen.

Nach unserer wirklich langen, und nicht ganz geplanten Mittagspause ging es dann etwas zügiger Richtung Chomrong weiter, wir hatten noch ein paar Kilometer vor uns. Dabei überquerten wir mal wieder die ein oder andere Hängebrücke, der Nebel wurde dichter und so manches Mal sah das Wetter bedrohlich schön aus.


Zwischenzeitlich gesellte sich noch ein kleiner Begleiter zu uns, der uns schließlich fast zwei Stunden ganz dicht bis zum Ortseingang nach Chomrong begleitete, in der Zeit tauften wir sie schon „Purna“, eine mittelgroße, beige Mischlingshündin.

 

Es wurde mittlerweile schon recht dunkel und das Wetter zog zu. Wir erreichten gerade noch so vor dem heftigen Schnee und Regen das „Chomrong Cottage“, ein uriges Hotel, mit etwas seltsamen Gastgebern. Das Zimmer hingegen war umso einladender, hier bekamen wir das Gefühl vermittelt über der Stadt zu schweben, da es rundherum mit Fenstern ausgestattet war. 

Von unserem Bett aus   konnten wir in den Himmel schauen und sehen wie der Schneeregen sich über die Stadt legte. Zum einen ein schönes Gefühl zum anderen schwebte uns im Hinterkopf, dass das Wetter über unseren Aufstieg zum Annapurna Base Camp entscheiden würde und wir am nächsten Tag entscheiden müssen, ob wir weiter aufsteigen können oder nicht. Bei starkem Schnee auf dieser Höhe wäre der Aufstieg sehr schwer, da unsere eigentlich Trekkingschuhe einfach nicht für Tiefschnee ausreichend sind. Zudem wäre die Sicht so bescheiden, dass wir je nachdem wohl auf eine grandiose und einzigartige, graue Wolkenwand sehen würden. Und dafür nochmal fast 3000 Höhenmeter mit je fast 10kg Gepäck auf dem Rücken auf uns nehmen, sollte sich halt lohnen. Aber wir überließen diese Entscheidung erstmal der Nacht und dem Wetter. 

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