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Annapurna Trekking Tag 6 Himalaya Hotel wir kommen - oder äh Moment?!

Der Wecker klingelte um 7 Uhr und bei Betrachtung des Himmels konnten wir sehen, dass die Wolken sich verzogen hatten und ein klarer blauer Himmel zum Vorschein kam. Es sah aus als ob wir die nächste Etappe zum Himalaya Hotel wagen könnten. Wir packten unsere sieben bzw. gefühlt 100 Sachen ein, rannten noch schnell zum Bäcker (hier gab es endlich mal wieder einen), weil wir heute keine Zeit verlieren wollten, denn es wartete eine lange Strecke auf uns. So dachten wir.

 

Mit einem Frühstück auf der Hand – ging es unglaublich viele Treppen und riesige Stufen hinab. Ein Alptraum, denn wir wussten auf dem Rückweg vom ABC müssten wir genau diese wieder hinauf!!! Aber das wäre ja erst in ein paar Tagen, so trösteten wir uns.

Also stapften wir die Stufen runter. Chomrong hat für diese Lage eine wirklich beachtliche Größe, Hotels reihen sich hier eins nach dem anderen aneinander. Geschäfte gibt es hier in der Regel auch einige aber man merkt, es ist Nebensaison und vieles ist geschlossen und die Hotels sind leer.

Der Weg ist heute nicht sehr spektakulär, im Tal von Chomrong angekommen müssen wir wieder rauf, rauf, rauf.

Währenddessen fällt uns jedoch auf, dass zwei Helikopter unterwegs sind und über unsere Köpfe fliegen.

Dann kommt uns eine Gruppe entgegen und sie berichten, dass sie vom ABC kommen aber das es in den letzten Tagen so viel geschneit habe, dass aktuell einige Menschen evakuiert werden müssen. Sie empfahl uns, dass wir erstmal bis zum Himalaya Hotel oder MBC gehen und von dort aus könnten wir immer noch sehen ob es zu gefährlich für die letzten Meter seien oder nicht. Nach einem kleinen Schrecken aber dennoch mit Aussicht auf ein Weiterkommen, gehen wir weiter rauf.

In Sinuwa hatten wir fast die Hälfte der Strecke bis zum Himalaya Hotel geschafft und gönnten uns eine kleine Verschnaufpause mit Kaffee, Nudelsuppe und gebratenem Reis, mal wieder ganz abwechslungsreich 😊


Dann trafen bald einige andere Trekker ein und ich hörte nur wie einer zu der Wirtin sagt: „Hello again, yes i am really sad!“. In dem Moment befürchte ich nichts Gutes. Und werfe Richi einen besorgten Blick zu. Kurz darauf gesellte der Wanderer sich zu uns in den Gastraum und wir fragten ihn, woher er kommt. Und er berichtete, dass er zum ABC wollte, er bis kurz vor das Machhapuchhre Base Camp (MBC) gekommen war, also wirklich nicht weit vom Fuße des Annapurna Base Camps, aber nicht weiter konnte, weil die Gebiete gesperrt sind für die nächsten Tage, da noch mehr Schnee zu erwarten sei. Weiterhin sei Lawinengefahr und die Helikopter im ständigen Einsatz, da einige Menschen am Annapurna Base Camp eingeschneit seien. Also musste er kurz vor dem Ziel umkehren.
Ihm war die Anstrengung und die Enttäuschung deutlich anzusehen.


Okay dachten wir….was nun. Jetzt waren schon auf halber Strecke und es waren eigentlich nur noch 2 Tagestouren weit, das Ziel war zum Greifen nah. Es hieß ja in drei Tagen könnten die Wege wieder frei sein, wenn wir uns Zeit lassen, dann würde es auch in drei Tagen machbar sein. Aber es hieß auch, dass wieder Neuschnee in den nächsten Tagen fallen würde. Die ständig hin- und herfliegenden Helikopter waren auch nicht gerade beruhigend. Andererseits war es bei dem Wetter gerade schwer vorstellbar, dass das Wetter so dramatisch sein könnte aber ja, 1000 Höhenmeter mehr oder weniger und eigentlich sogar noch dreimal mehr, machen so einiges aus. Wir grübelten noch eine ganze Weile ja oder nein, ja oder nein, ja oder nein??

 

Während der ganzen Grübelei trafen jedoch immer mehr Wanderer ein, die umgekehrt waren, weil der Schnee im Himalaya Hotel schon zu viel war und es keine Aussicht auf Besserung in den nächsten zwei Tagen gab.
Schweren Herzens entschieden wir uns aber dann, dass wir nicht weiter gehen werden sondern nun umkehren. Denn auch wenn es die nächsten Tage keinen Neuschnee geben würde, würde der Schnee bleiben, sowie auch die Lawinengefahr. Zudem hatten wir auf gar keinen Fall Lust nochmal so eine Schlitterpartie wie von vor zwei Tagen zu erleben und im Zweifel für den Abstieg Jahre anstatt nur ein paar Tage zu brauchen.
Also tranken wir noch gemütlich unseren Tee aus, schwangen die Rucksäcke mit weniger Elan denn je auf den Rücken und gingen den Weg zurück, denn wir vor gerade mal 30 Minuten hinauf gekommen waren. Das grausigste in dem Moment war vor allem der Gedanke, dass wir schon sehr bald diese wahnsinnigen Treppen wieder hinaufsteigen müssten, die wir ein paar Stunden zuvor erst runter gegangen waren. Und das Eingeständnis das eigentliche Ziel wohl nicht zu erreichen ist schon niederschmetternd. Aber 'Safety first'!!

Der Weg hinunter war recht schnell erledigt und die weiterhin konstant hin und herfliegenden Helikopter bestätigten uns in unserer Entscheidung.

Auf dem Abstieg begegneten wir einem Koreaner, den wir auch bereits im Restaurant in Sinuwa gesehen hatten. Er berichtete uns ebenfalls von seinem gescheiterten Versuch zum ABC zu gelangen. Zusammen mit Jin-Tek kämpften wir uns auch die endlosen Treppen nach Chomrong hoch und gingen weiter nach Jinhu.

Jinhu hatten wir schließlich spontan zu unserem neuen Zielort erklärt, der eigentlich erst in 4 Tagen geplant war. Dieser lockte aber mit der leicht entschädigenden Aussicht, da dieser Ort sehr bekannt und beliebt für seine heißen Quellen war, dahin wollten wir heute noch gerne gehen und unsere schlaffen Beine, die fast keine Treppenstufe mehr gehen wollten, etwas Erholung zu gönnen.

Der Abstieg nach Jinhu zog sich noch ein klein wenig. Aber wir teilten uns den Weg mit Jin-Tek. Das war eine gelungene Abwechselung zu unseren sonstigen Wegen. Einfach jemand neues auf dem Weg kennen lernen, seinen Erfahrungen über das Reisen zu und seine Pläne für die nächste Zeit zu lauschen.

In Jinhu angekommen bekamen wir zwei Zimmer in einem netten Guesthouse, das von einer Mama und ihren zwei Söhnen geleitet wurde.

Richi und ich wollten aber unbedingt noch zu den Quellen und versuchten so schnell es ging aufzubrechen, da es schon dunkel wurde. Ausgerüstet mit einer Taschenlampe und Badesachen ging es in den dunklen Wald. Unsere Gastgeber hatten uns versichert, dass es auch im Dunklen kein Problem wäre und das es auch nur 15-20 Minuten seien. Aber wir liefen und liefen und nur mit dem Licht der Taschenlampe, war das alles andere als ein leichtes Unterfangen. Wir gingen immer weiter in den Wald hinein und immer mehr Stufen hinab. Das Wasser kam schon hörbar näher aber hinter jeder Kurve, hinter jedem Baum war es nicht zu sehen. Und wir waren auch schon wesentlich länger als 20 Minuten unterwegs, das nur bergab. Den Weg nochmal wieder bergauf würde ja sicherlich das doppelte an Zeit kosten. Dieser nepalesische Optimismus und Sorglosigkeit ist wirklich manchmal zu bewundern. 

Uns als Nicht-Nepalesen wurde diese ganze Kiste dann noch irgendwie zu heiß und unsere Beine zu schlapp und die Mägen zu laut, und der Wald zu dunkel, also drehten wir heute zum zweiten Mal um, ohne das eigentliche Ziel erreicht zu haben. Morgen wäre ja sicherlich noch eine Chance.

Also wieder zurück.

Der einzige Trost: oben würde sicherlich schon bald unser Abendessen auf uns warten und eine Dusche.

Die Dusche stellte sich zwar als kalt heraus, da diese auf Solarbasis lief und am heutigen Tag in Jinhu wohl nicht ein Sonnenstrahl das Wasser erhitzen konnte aber dafür war das Essen umso wärmer.

Erschöpft vielen wir dann auch ganz bald ins Bett, um den Tag voller Kehrtwenden dann einfach mal sacken zu lassen. Aber nicht alles ist immer wie es schient oder wie man es geplant hat und der Weg ist das Ziel und das hatten wir bereits in den letzten Tagen schon beherzigt.

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