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Chheskam - am Rande der Welt und voller Gegensätze

Heute nehmen wir euch mit auf eine Reise, die auch wir vermutlich in dieser Art nur einmal machen werden und deren Gelegenheit einmalig, Zufall und pures Glück für uns war.

 

Während unseres Trekkings haben wir Adhish einfach mal gefragt, ob er nicht einen Ort oder ein Programm kennt, bei dem wir uns für 3 Wochen freiwillig engagieren können. Er war sofort begeistert und hat uns eingeladen mit in sein Heimatdorf, einem Dorf des indigenen Volkes der Kirat Kulung, zu kommen und dort an der Secondary School Englisch zu unterrichten. 

 

Und deswegen sind wir hier und damit ihr vielleicht noch mehr das Gefühl bekommt, direkt dabei zu sein, schreiben wir heute mal aus einer anderen Perspektive:

Am 1. Februar packt ihr morgens um 3 Uhr die Sachen im Hotel in Kathmandu und fahrt mit Adhish, mit einem Taxi raus aus Kathmandu zum Jeep Treffpunkt. Von dort aus geht es Richtung Chheskam, Adishs Heimatdorf.

 

Also steht ihr um halb vier Uhr morgens am Rande von Kathmandu an einer großen Straße, die aber zu dieser Zeit noch vollkommen leer ist. Aber am Rande sammeln sich vereinzelt kleine Straßenstände mit Tee und Nudelsuppe oder anderen typischen nepalesischen Snacks. Alle machen ein kleines Feuer, in dem sie etwas Müll verbrennen und sich somit etwas durch die Nacht durchwärmen können. Es ist ein Treffpunkt für Taxifahrer, auf den Jeep Wartende oder auch Obdachlose. Auch Kühe halten sich sich in der Nähe auf, neugierig schauen sie oder schlafen. Dieser Anblick: Vor einem Einkaufzentrum liegen zwei Kühe, wird man sich wohl nie gewöhnen. :D

Ihr setzt euch also zu einem Feuerchen und ein paar Leuten dazu und trinkt einen Tee, um euch aufzuwärmen, es ist wirklich kalt.

Irgendwann kommt auch der Jeep, eure Backpacks werden auf das Dach des Jeeps geschnallt. Sowie alle anderen Sachen, die die anderen Passagiere mitnehmen, darunter viele Sachen, die es vermutlich nur in der Stadt gibt. 

Wenn alle ihren Platz in dem Jeep gefunden haben, insgesamt sind es diesmal mit Fahrer sieben Mitfahrer, in einem Wagen für neun Personen, geht es los. Adhish ist froh, dass es heute so wenige sind. Bei der Aussage kann man sich etwas verwundern, denn so viel Platz Unterschied würden zwei Personen nun auch nicht machen. Aber so viel sei gesagt, bei der Rückfahrt werdet ihr verstehen, was er damit meint und die Aussage wird sehr viel mehr Sinn erhalten. 

Die Fahrt bis Bung (einen Ort vor unserem Zielort) dauert insgesamt 14 Stunden. Der erste Teil der Fahrt geht relativ schnell vorbei, da ihr bis dahin noch recht gute Straßenverhältnisse genießen könnt. Die Straßen sind geteert und es gibt verhältnismäßig wenig Schlaglöcher und das durchschnittliche Tempo liegt bei 50 bis 60 km/h.

Der zweite und wesentlich anstrengendere Teil der Fahrt geht dann los, wenn ihr von den geteerten Straßen auf die erdigen und staubigen Straßen gelangt. Es ruckelt und hoppelt, noch schlimmer als nach Pokhara im Bus. Ihr werdet durchgeschüttelt, hüpft auf und ab, in den Kurven liegt ihr euren Sitznachbarn auf der Schulter oder küsst fast die Fensterscheibe, die ihr aber eigentlich unter keinen Umständen näherkommen wollt als nötig. Bei den starken Kurven und bei den Annäherungen an die Fensterscheiben könnt ihr gelegentlich einen tiefen Abhang entgegensehen oder die Weite eines wahnsinnigen Tales beäugen und auf der anderen Seite könnt ihr schon die Straße sehen, die noch auf euch wartet. Eure Steißbeine werdet ihr auch mit jedem Kilometer mehr merken und das Ende der Fahrt wünscht man sich immer näher herbei, jede Pinkelpause an der man wenigstens ein paar Minuten dem Sitz entkommt ist wertvoll. Aber es dauert. So viel soll gesagt sein.

 

Aber dann ist es geschafft, nach 14 Stunden Fahrt mit ein paar kleinen Pausen, die euch immer wieder einen kleinen Vorgeschmack geben können, was euch weiter im Landesinnere erwarten wird, denn ihr werdet auffallen, auch mit asiatischem Aussehen, und die Menschen werden ihr Interesse zeigen, am ehesten durch eindringliche Blicke aber nur selten werdet ihr angesprochen. 😊

Und in Bung angekommen werdet ihr mit genau diesen Blicken aber von allen Seiten sehr neugierig beäugt. Kleine Kinder sind neugierig und lächeln, ältere Kinder schauen kurz hin und man sieht ihnen leichte Fragezeichen an, woher die Fremden wohl kommen und was sie hier machen und die älteren Menschen schauen sehr fragend und äußerst skeptisch. Ihr merkt sofort das Tourismus hier noch kein wirklich geläufiges Wort ist und fremde Menschen, die einfach anders aussehen und nicht Nepali oder hier oben Kulung sprechen können, sehr selten sind.

 

In der ersten Nacht schlaft ihr in einem Hotel, das sehr neu ist, man kann das frische Holz noch riechen, die Türen und Decken sind hier so tief, dass ihr euch selbst mit 1,58m Körpergröße wie ein Riese fühlt.

Die Gastgeber sind Freunde von Adhish und sind sehr bemüht und versorgen euch sehr gut mit Tee, warmen Dal Bhat in Massen, die ihr unter keinen Umständen aufessen könnt und leckeren Pfannekuchen. Aber man merkt schon hier, dass einfachere Verhältnisse herrschen.

Es gibt keine Dusche, es gibt ein Plumpsklo im Garten und fließendes kaltes Wasser kommt aus riesigen Regentonnen. Wie diese jedoch befüllt werden wird eine bleibende Frage bleiben.

 

Dann geht es leider mit einem Tag Verzögerung, weil etwas eurem Magen absolut nicht gefallen hat und es euch einfach eiskalt von den Socken haut und jede Klo-Möglichkeit mit einer Reichweite von weniger als 20 Sekunden in Angst und Schrecken versetzt hätte, endlich weiter nach Chheskam, euer zu Hause für die nächsten Wochen. Es ist das letzte Dorf vor dem Mount Everest. Von hier sind es etwa noch 30km Luftlinie bis dorthin. Aber man kann ihn leider nicht sehen. Hier leben 2000 Menschen, was man auf den ersten Blick gar nicht meinen mag, bei der Infrastruktur, aber dennoch bei intensiveren Betrachtung ein sehr großes Dorf. Die Häuser ziehen sich ewig die Hänge entlang zwischen vielen Reis- oder Maisterrassen.

  

 

In Chheskam angekommen werdet ihr von Adishs Vater und einigen anderen Dorfbewohnern freudig und interessiert empfangen. 

 

 

Dann geht es zu eurer Herberge in Chheskam, Adhishs Elternhaus. Auf dem Weg vom Jeep-Parkplatz zum Haus werdet ihr mit noch größeren Augen betrachtet als bisher. Jeder dreht sich um, staunt wer diese Menschen sind, woher sie wohl kommen und was sie machen. Es ist ein sehr seltsames Gefühl so etwas auffallendes an sich zu haben. Überall könnt ihr scheue, interessierte und skeptische Blicke und riesige Augen sehen. Manchmal offensichtlich, manchmal lugen sie hinter Felsen, Türen oder Bäumen her. Manchmal hat man das Gefühl, dass manchen Menschen vielleicht sogar schon Fliegen in die offenen Münder und Augen, vor lauter Staunen, fliegen könnten :D
Aber ihr habt vollstes Verständnis, denn wenn bei uns mal Marsmännchen landen, dann sehen wir bestimmt auch so aus.  Also lächelt ihr stets freundlich zurück und grüßt mit einem „Namaste“.

Euer Zuhause ist ein kleines, einfaches Haus mit einem blauen Wellblechdach. Das haben hier alle. Das Haus liegt auch wie viele andere unheimlich schön im Hang, hat ein kleines Feld zur rechten Seite auf dem ein paar Kartoffeln angebaut werden aber ansonsten aktuell brach liegen, da noch Winter ist. Vor dem Haus ist ebenfalls ein kleiner Garten auf dem wahnsinnig viele Erbsen-Pflanzen wachsen. Bei der Ankunft kommen euch Hühner entgegen, ein Schwein grunzt beim Haus um die Ecke und zum Empfang werdet ihr mit frisch gemolkener Büffelmilch verwöhnt. Die Eltern von Adhish und eure Gastgeber sind ein Pärchen im Alter von 65 Jahren, die immer ein herzliches Lachen auf den Lippen haben, nur das einfache Leben kennen, mit der Sonne leben, tief zufrieden wirken und einfach sehr, sehr gastfreundlich sind aber auch jeden Tag total tüchtige Menschen sind, die jeden Tag auf dem Feld arbeiten und ihr täglich Brot so erarbeiten.

 

Das Haus besteht im Wesentlichen aus vier Räumen von denen jedoch nur einer ein wirklicher Wohnraum ist, in dem die Eltern essen, schlafen, wohnen und bei Regentagen Unterschlupf suchen. Früher haben hier die Eltern mit ihren drei Kindern gelebt. Zwei weitere Räume dienen im Wesentlichen nur als Lagerräume für Mais oder andere Sachen, die nicht täglich gebraucht werden. Die Küche ist ein separater Raum, der an dem Haupthaus angebaut ist und nur aus Wellblechplatten und dünnen Maisgeflechten besteht und einen kleinen Holzofen, der in einer selbstgebauten Lehmkonstruktion eingefasst ist. 


Euer Schlafplatz und Zimmer liegen im ersten Stock. Es ist ein Raum, der wohl erst vor kurzem hergerichtet worden ist. Zwei Fenster sind bereits vorhanden, jedoch ohne Scheiben also ist quasi von morgens bis abends das Fenster offen. Scheiben müssen aus Kathmandu kommen und sind teuer. Es stehen zwei einfache Betten aus Holzlatten in der Mitte des Raumes und mit uns sind auch zwei neue Matratzen eingetroffen. Die Wände im Inneren des Hauses bestehen aus Lehm und man kann vereinzelt Grashalme herausragen sehen.
Nachts wird es teilweise recht kalt, insbesondere auf dem Weg ins Bett empfindet ihr eine eisige Kälte, da die fehlenden Fenster den Wind durchströmen lassen und das kalte Bett erstmal mit eigener Körperwärme aufgewärmt werden muss.
Aber in der Nacht ist es nie kalt, denn mit drei dicken Decken und langen Schlafsachen wird es nach einiger Zeit immer sehr gemütlich warm.
Die Morgende sind umso schöner, es fällt ein bisschen schwer aus dem warmen Bett zu steigen, weil ihr die Kälte bereits an der Nasenspitze fühlen könnt. Aber beim Aufstoßen der kleinen Zwergen-Türen kommen euch schon die ersten Sonnenstrahlen, ein frischer, leicht kalter Luftstoß entgegen und ein einmaliger Blick auf eine wahnsinnige Berglandschaft und der aufgehenden Sonne über den Bergen, rauben euch den Atem und zeigen, wie schön, natürlich hier alles ist und wie glücklich ihr euch schätzen könnt, das gerade zu erleben. 

Bei den winzigen Türen müsst ihr mal wieder unbedingt an eure Köpfe denken, auch wenn ihr sonst im „normalen“ Leben eher Probleme habt, weil ihr zu klein seid und nur selten an die oberen Regale im Supermarkt gelangt, und wie ein Äffchen an den Regalbrettern herumhangelt, hier seid ihr mal zu groß für die Türen. Sehr gewöhnungsbedürftig, dass ihr mal auf euren Kopf achten müsst.

 

Mit einem Wasserkocher könnt ihr euch einen frischen Ingwertee oder auch Kaffee machen und nochmal diesen einmaligen Ort bewundern. Von unten kommt bereits ein herzliches „Good morning guys, did you sleep well?“ von Adhish.

Die Tage sind nicht besonders stressig oder durchgetaktet aber dennoch strukturiert.
Es gibt immer Frühstück, Mittagessen und Abendessen, dazwischen wird immer für ein paar Snacks gesorgt. Fast jeden Tag stehen immer mal wieder ein paar Ausflüge zu Freunden, Bekannten, zu der Schwester, Besuch auf Hochzeiten, Erkundungen des Dorfes, Besuch von Erfindern und Tüftlern oder ein Besuch in der Secondary oder einer der zahlreichen Primary Schools an.  Ihr könnt euch einfach in vollen Zügen und mit unheimlich viel Ruhe ein sehr eindrückliches Bild von allem machen. Dabei habt ihr sehr viel Zeit zum Nachdenken, zum Verarbeiten, über euer „altes“ Leben nachzudenken, über das aktuelle und besonders das Leben der Menschen hier vor Ort nachzudenken. Das Gehirn steht zu keinem Punkt still. Es rattert ununterbrochen und saugt die Umgebung mit all seinen Reizen auf. 

Überall werdet ihr neugierig aber überwiegend dankbar und interessiert empfangen. Beim Durchstreifen des Dorfes kommen euch immer wieder Menschen entgegen, die sich dafür herzlich bedanken, dass ihr ihr Dorf besuchen. Nicht sehr viele können englisch, daher sind die Konversationen leider oftmals sehr eingeschränkt aber anhand ihrer Blicke, Mimik und Gestik, könnt ihr sie verstehen. Natürlich gibt es darunter die Skeptiker und auch einige missbillige Blicke, denen ihr, so sehr ihr auch versucht mit freundlichen Blicken und Lächeln zu begegnen, kein Lächeln abgewinnen könnt. Insbesondere die älteren Menschen ab 50 oder 60 aufwärts, wissen nicht wie sie diese neuen und fremden Gesichter einordnen sollen.

Seit zweit Monaten gibt es eine „Straße“, es ist einfach geebnete Erde, bzw. eine Strecke wird mit Hilfe eines Baggers "befahrbar" gemacht. Die Straße bzw. der Boden ist nicht fest, es wird nicht asphaltiert, Schlaglöcher oder riesige Steine werden mit der Zeit wohl weggeschafft oder einfach in Zukunft umfahren. Auch die Seitenränder oder Hänge werden nicht befestigt, bedeutet, dass bei starkem Regen oder möglichen Erdbeben die Gefahr für Erdrutsche deutlich steigt.

 

Dennoch bedeutet diese Straße sehr viel Veränderung, denn Jeeps und Motorräder, können relativ einfach zu dem Dorf gelangen. Damit sind unendlich viele Barrieren für die moderne Welt und moderne Sachen wie Technik, Lebensmittel und dem Tourismus genommen. Welche Veränderungen damit eingehen werden ist nicht vollkommen abzusehen aber bei der älteren Generation, so werdet ihr mitbekommen, erzeugt das alles Angst. 

Nach einiger Zeit merkt ihr aber auch schnell, dass es nicht viel Abwechselung gibt. Sei es an Tätigkeiten oder auch an Essen. Es ist Winter und die Menschen hier leben von dem was es aktuell gibt, das ist nicht viel gerade. Kartoffeln, Wurzelknollen von der Bittermelone, Reis, Senfblätter, Bohnen und Linsen. Teilweise gibt es drei mal am Tag Dal Bhat und irgendwann merkt ihr, dass euer Körper Lust aber auch andere Nährstoffe braucht. Aber so ist es. Ihr akzeptiert es. Aber es bewirkt ein unglaubliches Bewusstsein, wie groß der Luxus ist, den wir in den Städten oder Zuhause genießen können.

Auch die tägliche Hygiene werdet ihr umstellen müssen. Es gibt nur am Nachbarhaus einen Wasserhahn im Klohaus, der allerdings nur auf 30cm Höhe vom Boden hängt, unter dem ihr euch waschen könnt und auch die Haare waschen, doch das Wasser kommt aus den Bergen und ist teilweise echt, echt eisig kalt, je nach Tageszeit und Wetterlage. Wasser ist auch an manchen Tagen Mangelware, daher ist das Waschen nur so alle zwei bis drei Tage möglich.

 

Ihr denkt jetzt bestimmt, ohjjeee, ohjee, aber man gewöhnt sich an alles und riechen kann man bei der dünnen Luft eh weniger, es ist meist kühl, daher schwitzt ihr eh nicht und könnt auch nichts riechen und da es alle gleich tun, bzw. eher weniger, ist niemand eine Ausnahme. Also halb so schlimm. Wir sehen alle und riechen alle gleich. (Kleiner Scherz)
Der Nebeneffekt ist schlichtweg, dass ihr die heimischen sanitären Anlagen und Bedingungen zu 100% zu schätzen lernt und es wird einfach bewusst wie gut es in anderen Ländern ist, wie gut ihr zu Hause oder in modernen Ländern versorgt seid, wie schön es ist in den Supermarkt zu gehen und eine wahnsinnige Auswahl an Lebensmittel zu haben, jeden Tag die Möglichkeit habt euch zu waschen und das auch warm!
Für dieses Bewusstsein werdet ihr dankbar sein, denn es eröffnet nochmal ein Gefühl zu Leben und Luxus, den ihr sonst genießen könnt. Aber auch, dass man das nicht zum glücklichen oder zufriedenen Leben braucht. Das es schön ist dies zu genießen aber ihr am eigenen Leib erfahren könnt, dass das ein Plus ist aber durchaus verzichtbar und ihr es auch nach einer gewissen Zeit vergesst und den Rest des Lebens hier annehmt und genießen könnt. 


Nach einer Woche kündigt sich auch an, dass ihr früher als gedacht wieder nach Kathmandu zurück kehren werdet, da sich das Internet, das zwar unglaublich langsam ist und ihr beim Laden einer gewöhnlichen Homepage nebenbei am besten ein Buch lest, verabschiedet hat. Der Sendemast im Nachbarort ist durch die Schneelast kollabiert und es dauert anscheinend unabsehbar lang dies zu reparieren. Adhish muss aber für seine nächsten Touren und Treks einiges organisieren und das geht nur mit Internet.

 

Einerseits seid ihr etwas traurig, da die Zeit schnell vergeht und es wirklich natürlich schön ist und ihr ohne Internet nochmal ganz intensiv Zeit für euch und die Umgebung habt. Andererseits seid ihr auf immer auf andere Menschen angewiesen, ihr könnt nicht selber kommunizieren, und man traut euch nicht wirklich zu eigenständig zu sein, alleine wandern zu können oder mal beim Kochen oder auf dem Feld zu helfen – keine Chance – auch beim 100sten Nachfragen oder ganz heimlichen Versuch mal den Abwasch zu machen wird nicht nachgegeben, diese Aufgaben stehen euch nicht zu.
Andere Länder andere Sitten. Ihr lernt euch damit abzufinden und anzupassen. Verstehen kann man es nicht und richtig gut fühlen tut ihr euch auch nicht so gesondert behandelt zu werden aber das ist diese Eigenart von hier und es gehört dazu dies auch anzunehmen. 

Nach zwei Wochen geht es also wieder zurück nach Kathmandu per Jeep von Chheskam direkt. Wir starten um kurz nach zwei morgens. Und es klärt sich ganz schnell die Frage von der Hinfahrt, warum Adish meinte, er sei mit 7 Personen froh, dass das Auto so "leer" sei. Wir sitzen in einem Auto mit offiziell neun Sitzen zu 11 Erwachsenen und 2 Kindern. Die Fahrt ist auch wegen des mangelnden Platzes aber auch im Allgemeinen anstrengender als die Hinfahrt, Steißbein und Rücken und alles schmerzt noch mehr, und zwischendurch ist es kaum aushaltbar, ihr zweifelt an euren Körpern, geben sie langsam auf, hat euch die frische Luft verweichlicht? Ist das moderne Leben euch vielleicht entwachsen? Solltet ihr vielleicht für immer fern ab von allem leben und mehr nach der Natur?

 

Ihr haltet aber tapfer durch. Nach 20 Stunden seid ihr endlich im Hotel angekommen. Alles tut weh, der Kopf schwirrt von 20 Stunden rrrrraaaauuuuf und rrrrruuuuunter, vom gelegentlichen Anschlagen an die Decke des Jeeps bei den halben Schluchten, die der Jeep mit einem Reifen gestriffen hat, oder durch das Anschlagen an die Seitenfenster in den 180 Grad Kurven. 

Und ihr müsst euch eingestehen, nach 2 Wochen hauptsächlich Reis oder gelegentlicher Nudelsuppe braucht ihr was anderes. So gerade schafft ihr es zu einer Pizzeria in Kahmandu, ein wenig beschämt, da ihr irgendwie auch zu den Touris gehört, die sich nach der westlichen Küche sehnen, aber der Körper ächzt ganz laut aus jeder Pore, jedes Organ bis in die Füße und bei dem Begriff Pizza geht ihr fast in die Knie, er schreit nach etwas Eiweiß,  bisschen Fleisch, Brot, Mehl, Teig, frisches Gemüse, Tomate, Salat……einfach alles außer Reis und Linsen. Sorry, liebes Nepal an dieser Stelle!!!!

 

Und dann steht sie da, die PIZZA von der ihr nie gedacht hättet, dass sie so gut schmecken kann und dass ihr schon nach nur zwei Wochen ein Bedürfnis nach anderer Nahrung haben würdet. Das erste Stück befriedigt schon so viele Nerven und Bedürfnisse und mit jedem Bissen mehr, werden die innerlichen Schreie „MINERALIEN, VITAMINE!!“ schnell leiser und ihr wisst bald werdet ihr wieder bereit sein für asiatisches und nepalesisches Essen. 

Mit vollem Bauch fallt ihr einfach nur ins Bett, hofft auf erholsamen Schlaf, und so anstrengend, einfach und anders manches auch war, in den vergangen zwei Wochen, ihr wisst, diese Erfahrung werdet ihr nicht vergessen und diese Möglichkeit bietet sich nicht jedem und war vermutlich relativ einmalig und mit sehr viel Glück und Schicksal verbunden und wird euch prägen und euer Denken beeinflussen und ihr seid unglaublich dankbar für die Menschen, die euch die letzten Wochen begleitet haben und diese Erfahrung möglich gemacht haben, für das Land, das euch fasziniert, für die Kultur des Landes, die noch so spürbar und einzigartig ist, einfach für alles.

 

 

Und weil dies nur der grobe Umriss war und wie ihr vielleicht lesen konntet, dass es so unglaublich viele Eindrücke und Gedanken gab, haben wir ein paar extra Artikel zu verschiedenen besonders außergewöhnlichen oder eindrücklichen Momenten geschrieben, welche wir in den kommenden Tagen online stellen. Also lasst euch weiter und noch tiefer in die Welt der Kulung entführen. 

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