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Das Leben am Mount Everest – selbst Wasser ist keine Selbstverständlichkeit

Nachdem wir schon allgemein und über die Schule berichtet haben, wollen wir auch noch ein bisschen mehr über das Leben hier erzählen. Wir fanden das Leben sehr spannend und eindrücklich und es hat, wie ihr im ersten Artikel lesen konntet, schon so einiges bei uns angeregt und ein Bewusstsein geschaffen. Wir tauchten ein in eine komplett andere Welt und in manchen Teilen konnten wir sogar eine kleine Zeitreise von ca. 50-100 Jahren zurück machen.

 

Also lasst euch mitnehmen in die Welt von so viele interessanten Kuriositäten im Leben und der Kultur des Kulung Volkes in Chheskam.

 

 

Das Leben hier oben ist im wesentlichen davon geprägt das alltägliche Leben zu meistern und hauptsächlich dafür zu sorgen, Nahrung herzustellen, das Land zu pflegen, zu kochen,  seine eigene Existenz zu sichern oder zu erweitern, ein Haus über dem Kopf und ein Stück Land zu besitzen. Das scheint hier die Hauptarbeit und Beschäftigung der meisten Menschen zu sein. Ganz einfach gesagt, das Nötigste zur Lebens- und Existenzsicherung.

 

Das klingt jetzt zunächst irgendwie unspektakulär für manche, aber wir fanden es sehr aufregend und spannend wie die Menschen hier mit wenig Elektrizität, keinem warmen Wasser (oder an manchen Tagen gar keinem Wasser) und sonstigen Hilfsmitteln dieses alltägliche Leben meistern und im 21. Jahrhundert zwischen von Smartphones und Lagerfeuern, dann sich doch manchmal 100 Jahre zurück gesetzt zu fühlen. 

 - Adhishs Eltern sind frühe Vögel -

- Leben nach der Sonne-


Es beginnt schon bei kleinen Dingen. Woher kommt das tägliche Brot und wie wird es zubereitet. 

 

Diese alltäglich Aufgaben konnten wir eindrücklich am Leben von Adhish’s Eltern sehen,  auch wenn wir nicht helfen durften, weil es uns nicht zugetraut worden ist oder wir einfach die Gäste waren und Gastfreundschaft hier groß geschrieben wird. 😊

Schnell konnten wir erleben, dass sie trotz Elektrizität im Wesentlichen mit der Sonne leben. Sie stehen auf, wenn die ersten Sonnenstrahlen hinter dem großen Berg hervorkommen, noch bevor überhaupt die eigentliche Sonne in Ansätzen zu sehen ist. Was sie bereits in dieser Frühe also so gegen halb sechs, sechs machen, können wir leider nicht zu 100% sagen, da wir es nie so früh aus den Federn geschafft haben. Unsere Tage starteten meist immer "erst" um sieben Uhr.

Aber verschiedenen Hinweisen nach zu urteilen starten sie in der Frühe erstmal mit Feuer machen. Das wurde bei trockenem Wetter draußen an der Feuerstelle gemacht. Bei sehr kalten Tagen und vor allem bei regnerischen Tagen wurde dieses jedoch auch oft kurzerhand in den Wohnraum verlegt. Hier gibt es eine Feuerstelle. Eine kleine Lehmgrube mitten Raum. Drum herum ist eine einfache Holzkonstruktion gebaut, die dazu dient Fleisch oder Gemüse zu trocknen.

Und ja es wird ein richtiges Feuer mitten im Haus gemacht. Als erstes dachten wir okay, ist in etwa so wie wenn wir den Kamin anmachen aber dann wird schnell klar, einen Abzug gibt es hier nicht. Da die Häuser jedoch nicht von einem Architekten und/oder Meister der Dämm- Isolier- und Abdichtungstechnik errichtet und entworfen worden ist, findet der Rauch schon seinen Weg, ganz ohne Abzug.

Dann erfuhren wir auch am eignen Leib wohin der Rauch entweicht oder besser wohin er geht, nämlich in unsere Lungen. Kleiner Scherz aber leider auch eine Tatsache.

 

Denn der Rauch findet leider nicht immer auf dem direkten Weg nach draußen. Eines Morgens sind wir noch vor unseren Weckern aufgewacht, da unsere Kehlen etwas brannten, die Luft irgendwie schlecht war und beim Augenaufschlagen konnten wir vor lauter Rauchschwaden kaum die Tür sehen. Wir fühlten uns wie in ein Stück Speck in einem Räucherofen. Ja das war wohl der Weg des Rauches nach draußen oder zumindest nach oben raus, raus aus dem Wohnzimmer, hoch in den ersten Stock. Gesund ist das mit Sicherheit nicht und wir versuchten dem auch so gut es geht zu entkommen, aber wir wussten auch, wenn wir hier ankommen und etwas über ungesunde oder gesunde Lebensweisen und Gefahr von Rauchvergiftung erzählen, werden sie mit Unverständnis oder einem nickenden Lächeln Zustimmung suggerieren aber innerlich über diese Fremden aus den modernen, westlichen Ländern und ihre Luxusprobleme und -bedenken innerlich oder beim Tee mit den Nachbarn laut lachen. Aber noch nach Wochen rochen unsere Haare und unsere Backpacks nach dem schönen ländlichen Räuchergeruch. Und bis fast 4 Wochen nach unserem Aufenthalt, habe ich noch leichte Probleme mit einem Husten, da ich vermutlich eine leichte Rauchvergiftung erlitten habe. Aber was will man machen…. Andere Länder andere Sitten oder besser andere Lebensumstände.

Aber wir waren dabei zu berichten, wie die Tage hier beginnen und auch wie bei den meisten Menschen auf der Welt, beginnt der Tag hier mit einem Frühstück. Sie sind sehr bescheidene Menschen und mit sehr wenig schon zufrieden. Ihr Frühstück bestand meist aus gekochten Kartoffeln oder  Bittermelonenwurzelknollen. Ab und zu gab es auch einen warmen Büffelmilchtee, frisch gemolken vom eigenen kleinen Büffel. Auch wir durften damit an einigen Tagen unsere Morgende beginnen.

 

Also leicht gestärkt wurde so in den Tag gestartet.
Der Vater verschwand meistens mit einer Hacke und einem Korb, der mit einem Band um den Kopf gehängt wird, und wurde erst im späten Nachmittag oder Abend wieder sichtbar. Wir haben bis zum Ende nicht raus bekommen wohin er ging aber wir schätzen auf ein Feld oder zu Nachbarn oder anderen Familienmitgliedern zu helfen. Einerseits haben sie hier riesige Familien andererseits eine sehr starke Gemeinschaft, die zusammenhält und einander hilft wo sie können. Sei es beim Hausbau oder Feldarbeit, alles was eben so ansteht. Immer kommt jemand vorbei, trinkt einen Tee mit, hilft bei der ein oder anderen Tätigkeit. Zusammengefasst ein sehr geselliges, gemeinschaftliches Völkchen.

 

Die Mutter war etwas mehr um das Haus herum beschäftigt, kümmerte sich um die Hühnchen und oftmals das Essen. Aber auch sie war oft genug mit einem Korb um den Kopf morgens schon unterwegs. 

- Gegessen wird was auf den Tisch kommt oder was du eben im Garten findest - 


Im Laufe der Zeit konnten wir die zwei beobachten wie sie stets Lebensmittel besorgten und verwerteten. Der kleine Garten neben dran wurde nebenbei gepflegt, Senfblätter geerntet, die Erbsen im Garten beäugt. Sie trockneten Getreide über dem Feuer. Sie kamen mit riesigen Körben voller getrocknete Maiskolben um die Hausecke und in den drauf folgenden Tage wurde diese mühselig bei einem Tee in der Nachmittagssonne abgerupft.

 

Eines Morgens waren sie auch schon dabei Joghurt aus der frischen Büffelmilch zu machen. Ein Holzrührstab wurde in einen großen Behälter gesteckt, dieser wurde mit einem Seil umwunden, sodass er sich beim ziehen an der einen und anderen Seite drehte. Sie wechselten sich mehrere Stunden ab. Zwei sehr schmächtige 65 Jahre alte Personen hockten auf dem Boden und zogen Stunden an den Seilen bis schließlich eine feste, leicht klumpige Masse zum Vorschein kam.
Diese kleinen aber in unseren Aufgaben körperlich harten Arbeiten durchstreckten sich jeden Tag und selten waren es gleiche Tätigkeiten. Alles braucht hier länger und die Art und Weise erinnert teilweise daran, was wir in der Schule aus den Geschichtsbüchern oder historischen Romanen lesen können.

 

Das meiste passiert ohne Strom, den gibt es hier zwar seit ca. 7 Jahren aber wird nur für Licht und das Laden der Taschenlampen und Handys benutzt. Eine andere Verwendung konnten wir  nicht feststellen.

 

Auch das Kochen läuft ohne Strom ab und ist aber recht umständlich, wie ich finde. Entweder wird draußen auf der Feuerstelle gekocht, innen im Wohnzimmer oder auf dem kleinen Herd, der aber auch mit Holz befeuert wird. Es gibt verschiedene Töpfe und vor allem Dampfkochtöpfe womit doch recht schnell Reis und Linsen fertig sind. Aber mehr als zwei oder drei Gerichte gleichzeitig ist aufwendig, da es wenig Platz gibt und sich auf Pfannen und Topfgerichte beschränkt.

Wir durften auch erfahren, dass für uns deutlich aufwändiger mit dem Dal Bhat gekocht wurde als die Eltern wohl je für sich kochen würden. Mit Reis, Kartoffel-Senfblattgemüse und Linsensuppe, ist das vermutlich die höchste Kunst des Kochens hier. Die Eltern selbst haben sich hauptsächlich von Kartoffeln und Diro (wir schätzen es ist sehr dicker und püreeartiger Hirsebrei, der sehr nach nichts schmeckt) ernährt.

Es ist Winter hier und wie wir das von Oma und Opa früher kennen, gibt es nur das, was man im Winter bekommt oder im Herbst lagern konnte. Heißt die Auswahl an Lebensmittel ist sehr beschränkt. Kartoffeln, Linsen, Erbsen, Bohnen, Reis, Eier, teilweise Kohl und diese Bittermelonenknollen (sie schmeck wie eine Mischung aus Kartoffeln, der Konsistenz von Sellerie und Kürbis und mit Abstand unser Lieblingsessen 😊).

 

Wir gehen stark davon aus, dass das im Sommer anders aussieht, aber wir wissen es natürlich nicht mit Gewissheit. Aber das würde uns sehr interessieren.

Wir wollten auch unbedingt für die Familie kochen. Nach fast zwei Wochen überlegen und beobachten, was es hier so an Lebensmitteln gibt, wie Kochen so möglich ist, sind wir zum Entschluss gekommen wir nehmen es mal mit Schupfnudeln und Kohlgemüse auf. Eine Abwandlung von Schupfnudeln mit Sauerkraut. Wir können euch sagen. Schnupfnudeln haben wir selten in Deutschland selbst gemacht, diese nun in einem Dorf am Ende der Welt ohne einen richtigen Herd oder altbekannte Hilfsmittel zu machen, das war eine Herausforderung. Es ist uns nach Stunden Arbeit, mit  Kreativität und Improvisation gelungen, wenn ihr es auf dem Bild sehen könnt (leider etwas unscharf geworden, es war etwas stressig an dem Abend :D ) und uns hat es super geschmeckt.
Den Einheimischen hier nur zu 10%. Natürlich haben sie das nicht gesagt aber ein schweigendes Essen und einige halb volle bzw. kaum angerührte Schalen, lasse ja meist darauf schließen, dass das Essen nicht so gaaaanz den Geschmack getroffen hat.
Obwohl der Geschmack unserer Meinung nach nicht sehr anders oder außergewöhnlich war und ja auch nur aus Zutaten bestand, die sie hier kennen. Aber was der Bauer nicht kennt frisst er nicht. Das gilt wohl auf der ganzen Welt :D

Und auch uns schmecken ja nicht alle nepalesischen Gerichte. Also hatten wir vollstes Verständnis.

Fleisch ist hier übrigens etwas Besonderes. Daher waren die meisten Gerichte auch vegetarisch. 
Jeder hat meist ein Schwein oder ein paar Hühner vor der Tür. Doch Fleisch steht keinesfalls täglich auf dem Speiseplan. Eher ist es etwas Seltenes.

 

An einem unserer ersten Tage ist ein Huhn unserer Gasteltern gestorben.

 

Todesursache: nicht ganz geklärt.

 

Vermutung der Eltern: Ein Ei ist im Inneren des Huhns geplatzt.

 

Wir sind keine Tierärzte und haben wenig bis gar keine Ahnung von Hühnern also haben wir das mal hingenommen.

An diesem Abend gab es dann mal Fleisch und weil es so was besonders ist, wurde in der Nachbarschaft und Familie Bescheid gegeben und abends wurde eine klitzekleine Feier bzw. gemeinsames Essen veranstaltet, um gemeinsam das Hühnchen zu verspeisen. Das fanden wir eine schöne und eindrückliche Geste. Also wenn es Fleisch gibt, ob durch Zufall oder nicht, dann wird es stets geteilt.

Wenn ein Schwein geschlachtet wird, dann wird sogar ein richtiges Fest veranstaltet.

 

Richi hat das Hühnchen auch mutiger Weise probiert und war sehr begeistert vom Geschmack und der Frische. Dennoch hat er es bei einem bisschen belassen, da die Todesursache des Huhns nunmal nicht so ganz klar war, es morgens einfach tot im Stall lag und es von morgens bis abends zur Zubereitung einfach draußen auf einem Korb lag. Richi hat noch scherzhaft gefragt ob das Huhn nur schläft, aber der Witz wurde wohl nicht ganz verstanden.

Es war zwar nicht besonders warm an dem Tag aber kalt wie im Kühlschrank wurde es in der Sonne auch nicht. Ich hingegen haben gänzlich verzichtet, ich habe mich entschieden in Nepal und so gut es geht auf der Reise vegetarisch zu bleiben, da Erfahrungen am eigenen Leib und der Anblick der Lagerung des Fleisches den Appetit etwas verstummen lassen haben.

Nach dem Essen kommt ja für gewöhnlich der Abwasch, der wird hier meist auf den nächsten morgen verlegt. Nach dem Essen ist eigentlich immer direkt Bettgehzeit. Also einfach hinlegen.

Zähneputzen oder so…das hab ich hier so gut wie keinen machen sehen. Manchmal die Kinder morgens aber so als Routine wie bei uns nicht.
Es gibt aber auf jeden Fall Zahnbürsten, man sieht sie hier und da rumliegen, sei es auf der Fensterbank des Klo-/ Duschhäusschens oder einfach in einem Korb an dem Wasserhahn draußen. Aber ihre Häufigkeit der Verwendung und Erneuerung derer wird vermutlich so alle paar …. Hmm ich will mich nicht auf eine Zeit festlegen.
Aber das soll in keinem Fall heißen, dass sie ungepflegt sind. Sie sehen alle eigentlich immer sehr ordentlich aus, klar Wäsche gewaschen wird nicht einmal die Woche und auch nicht geduscht. Denn hier gibt es pro Haus einen Wasserhahn und aus dem kommt auch nur kaltes Bergwasser.
Also da will Duschen und waschen sehr wohl überlegt sein, wenn morgens uns abends schon regelmäßig das Thermometer unter 0 Grad sinkt.

An manchen Tagen kommt auch gar kein Wasser, da die Leitungen dünne Gartenschläuche sind, die überirdisch quer durch das Dorf laufen und somit schnell mal kaputt sind.

Auch wir gestehen offen ein. Geduscht und auch gewaschen haben wir uns maximal jeden zweiten Tag aber eher seltener. Wir wollten uns da schon etwas anpassen. Und es ist wirklich eine Wahnsinns Überwindung sich unter einen Wasserhahn zu hocken der so kaltes Wasser hat, das man zu Hause nicht mal Geschirr so spülen würde. Aber auch das merkt man nach einer Zeit nicht mehr.

 

Achja zu dem einzigen Wasserhahn. Hier wird wirklich alles gemacht. Wäsche gewaschen, der Abwasch, die Hühner hüpfen in die Schüssel und trinken draus und das alles in der gleichen Schüssel und mit kaltem Wasser. Also Hygiene ist hier halt so ein Thema, das wir vielleicht das ein oder andere Mal auch dann wohl zu spüren bekommen haben. 

- Das Dorf erweitert sich - 


Und wo wir beim Kochen, Haushalten und dem alltäglichen Leben sind. Für uns gehört dazu auch der Einkauf. Bisher war das vermutlich ein Fremdwort, etwas einkaufen gehen. Aber durch die neue Straße kommen erstmals Produkte in das Dorf, die es zuvor vermutlich fast gar nicht oder nur wenig gab. Mittlerweile gibt es kleine Kioske, die Süßigkeiten, Kekse oder Cracker, Instant-nudeln, Seifen, vereinzelt Schreibwaren und Kosmetikartikel verkaufen. Um ehrlich zu sein ein Großteil davon was die Welt hier oben NICHT braucht und was Müll erzeugt, den die Menschen hier aber nicht verwerten oder richtig vernichten können. Dieser wird einfach in alten Metalltonnen ober Behältern verbrannt und das ist ein echtes Problem. Rauchschwaden hängen hier so gut wie immer zwischen den Hängen, zum einen weil jeder sein Feuerchen im Garten macht und weil so der Müll verbrannt wird. 

Aber im gleichen Zug mit den Kiosken haben wir uns irgendwann gefragt, wie kommen die Menschen hier eigentlich an Geld? Denn die meisten gehen keinem Job nach für den sie eine Bezahlung bekommen würden. Man siehe an Adhish's Eltern. Sie leben von dem was um sie herum wächst und lebt. Und auch während unserer Zeit konnten wir beobachten, dass Tauschhandel hier sicherlich noch ein Begriff ist. Hast du Hühner und Eier, der andere dafür Kohl oder Senfblätter so tauschst du diese gegeneinander. Ein System was sicherlich Arbeitsteilung erfordert und durchaus funktioniert.

Also woher kommt nun das Geld, von dem Steuern und Strom bezahlt werden müssen, von dem man mal Kleidung kauft, in die Stadt fährt oder mal ein paar Kekse im Dorfkiosk?

 

Klar hier oben gibt es Menschen, die auch regulären Jobs nachgehen, sie sind Lehrer in den Schulen, sie arbeiten als Krankenschwestern, sie haben einen kleinen Laden, sie haben ein Restaurant oder sie haben eine Nähmaschine und nähen Kleidung.  Das sind wohl die lokalen Jobs, ganz neben der alltäglichen Feldarbeit, diesen Job hat hier glaub ich jeder.

 

Dann gibt es auch hier einige, die in die Städte gehen um dort zu arbeiten. So wie Adhish, der als Trekking-Guide in Kathmandu lebt und arbeitet. Diese Art von Jobs werden hier mehr und mehr. Besonders die Jobs im Bereich des Tourismus locken die jüngeren Menschen immer mehr aus den Dörfern, denn ohne Geld geht es kaum noch. Diese unterstützen wiederum die Familie, die in den Dörfern bleibt. Nepal lebt auch noch die Tradition, dass insbesondere der jüngste Sohn für die Eltern sorgen muss, so wie es in einigen anderen Kulturen auch ist. Das nennt sich dann Altersvorsorge.

 

Aber es wird nicht nur Arbeit in den Städten Nepals gesucht. Viele gehen ins Ausland zum Arbeiten. Einige Länder werben sogar explizit Nepali an und haben spezielle Zeitarbeitsverträge, sodass das Arbeiten im Ausland deutlich vereinfacht wird.

 

So zum Beispiel Adhishs Bruder. Er ist vor etwas über 4 Jahren nach Malaysia gegangen, um dort in einer Fabrik für Kleidung, Geld zu verdienen. Zurückgelassen hat er damals einen 2 Jahre alten Sohn und eine schwangere Frau. In den 4 Jahren konnte er nicht einmal seine Familie besuchen und seinen kleinsten Sohn sehen. Adhish erzählt uns, dass der kleine nicht mal weiß wer sein Vater sein soll, oder was das denn ist. Seit ein paar Jahren gibt es hier oben auch Handynetz und ein paar haben Wlan aber von 2000 Einwohnern gibt es ganze 3 oder 4, die einen Internet Zugang über Satellit besitzen. Einer davon ist Adhish. Aber so gut wie jeder besitzt hier ein Smartphone. Woher diese kommen, wie sie die bezahlt haben und was sie damit machen außer zu telefonieren, das ist uns schleierhaft, denn auch mobile Daten haben nicht viele aber sie hängen ungefähr genauso viel am Handy wie unsere neuste Gesellschaft.😊

Davon profitiert nun auch Adhishs Bruder. Wenn Adhish da ist, kann der ältere Sohn ab und zu mit seinem Vater per Video telefonieren, das ist eine tolle Wendung hier oben, aber der kleine Bruder weiß mit diesem Gesicht auf dem Telefon nichts anzufangen, sehr nachvollziehbar aber irgendwie traurig. Aber Adhishs Bruder wird in einem Jahr zurückkehren, wird ein Haus bauen und dann vermutlich wieder dauerhaft in Chheskam wohnen. Bis dahin ist die Mutter auf sich gestellt aber im Verbund der Familie scheint es kein großes Problem zu sein, zumal für ihren Unterhalt und ihre Söhne gesorgt ist und diese Situation auch keine Seltenheit zu sein scheint.

Also Geld kommt von Familienmitgliedern von außerhalb, die in die Städte gehen und Geld nach Hause bringen. Aber zum alltäglichen Leben wird es nicht viel gebraucht.

 

Ein Glück, denn auch in den Städten oder mit einem regulären Job verdienen sie nicht viel. Wir wissen, dass die Lehrer in Chheskam in der Primary School 150€ im Monat verdienen, ein Lehrer an der Secondary ca. 350€ und das ist schon relativ gut verdientes Geld. Und dieses, so müssen wir anmerken, kommt oftmals nicht von der Regierung. Die Schulen hier werden hauptsächlich von Spenden finanziert. Je nach Höhe der Spende können Lehrer für eine bestimmte Zeit eingestellt werden.

- Wehe man wird ernsthaft krank - 


Im Großen und Ganzen würde man denken, dass es doch schön ist, so ohne Geld leben zu können. Und im normalen einfachen Leben ohne Probleme und Besonderheiten ist das sicherlich hier noch gut möglich.

 
Doch Geld wird dann wichtig, wenn es um die Gesundheit geht. Eine Apotheke haben wir hier oben nicht gesehen. Es gibt eine kleine Krankenstation, die von einer deutschen Stiftung gegründet und gefördert wird. Sie nennt sich hier oben „Health Post“. Hier bringen die Frauen des Dorfes ihre Kinder zur Welt und bei anderen kleinen Leiden können sie hier bestimmt auch Hilfe oder Rat bekommen, doch einen richtigen Arzt gibt es nicht. Wenn jemand ernsthaft krank wird, muss er in die Stadt.

Adhishs Mutter ist vor ein paar Monaten krank geworden. Sie hatte Würmer im Darmtrakt, sie hat sich nicht getraut ihren Kindern etwas zu sagen und hat die Beschwerden sehr lange für sich behalten, weil sie genau wusste, dass jede Art von Behandlung Geld kosten wird, Geld das die Familie nicht hat. Dann kam der Zeitpunkt, an dem sich ihr Zustand sehr stark verschlimmerte und sie unbedingt behandelt werden musste. Sie konnte nicht mehr aufstehen, war fiebrig und so erhielt Adhish irgendwann einen Anruf seiner Schwerster, dass sie jetzt handeln müssten, der Mutter gehe es sehr schlecht. Sie wurde mit einem Helikopter nach Kathmandu geflogen, dort untersucht und operiert und verbrachte drei Monate im Krankenhaus. Am Ende wartete auf die Familie eine Rechnung über 5000€. Sie ist jetzt wieder ganz die Alte, fit und gesund mit ihrem 65 Jahren. Doch hier gibt es keine Versicherung, die für solche Fälle zahlt. Ein Gesundheitssystem auf dem Land existiert nicht. Zum Glück hat Adhish viele, tolle ausländische Freunde, die ihn und seine Mutter bei dieser finanziellen Last unter die Arme gegriffen haben und somit dies alles für seine Mutter möglich machten. Aber wir wollen uns gar nicht ausmalen, was ist, wenn man nicht diese tollen, ausländischen Freunde hat. Was ist dann? Dann ist das alles nicht möglich, niemand kann dir helfen. Das ist sehr tragisch und macht uns sehr betroffen. 

Aber man hilft sich hier wo man kann. Wie ihr bis hier lesen könnt ist es ganz klar ein hartes Leben, das auf den ersten Blick nicht immer sichtbar ist, da die Gesellschaft sehr ausgeglichen, fröhlich und zufrieden ist mit dem bisschen was sie haben.Dennoch denken wir, dass jeder auch irgendwo schauen muss wo das eigene Leben bleibt. Aber man bekommt auch das Gefühl, das es eine große Gemeinde ist und jeder so gut es geht den anderen hilft. Nachbarn kommen regelmäßig vorbei, man hilft sich beim Hausbau, wo man nur kann.

 

Aber man sieht auch viele Kinder, in der Schule oder zu Hause, die schmutzig und ungepflegt sind, rotzige Nasen haben, die Kleidung ist schmutzig und kaputt. Doch ganz im Gegensatz zu den älteren Schüler und auch Erwachsenen, die wie gesagt überwiegend meist gepflegt, bis gut und teilweise sogar echt stylisch aussehen (insbesondere die Männer). Klar an der Kleidung kann man oft die größten Unterschiede erkennen und auch ob der Haushalt wohl mehr oder weniger Geld hat.

 

Auf dem Schulgelände konnten wir auch mehrmals beobachten, wie sich die Kinder Gesicht und Haare wuschen. Dabei geht man ja davon aus, dass das ein Akt für zu Hause wäre. Letzten Endes kommen wir zu dem Schluss, dass trotz des familiären und gesellschaftlichen Zusammenhalts viele, insbesondere die Kleinen sich selbst überlassen sind. Sobald die Kinder gehen können, sind sie nahezu auf sich gestellt. Waschen müssen sie sich selbst, zur Schule gehen sie bereits 30 Minuten und mehr, schon im Kindergartenalter. Ab und zu schaut wohl jemand nach ihnen und Essen nehmen sie meist auch gemeinsam ein, der Kontakt zu den Eltern ist stets da aber die Betreuung und ein „Kümmern“ wie wir es versehen, so wirkt es, hat hier schnell ein Ende. Was aber auch bedeutet, dass die Kinder schnell sehr selbstständig sind. 

- Wenn der Nepali was zu feiern hat - 


Das ist weitestgehend das alltägliche Leben.

Neben diesem durften wir auch tolle kulturelle Events mitbekommen.

Wie zum Beispiel Hochzeiten. Es gibt sogar quasi eine Hochzeitsseason, die ist im Winter, weil dort einfach Zeit besteht. Es gibt nicht so viel auf dem Acker zu tun, Touristen sind auch keine da und fast alle sind zu Hause, weil es keine Arbeit in den Off-Seasons gibt.

Fast jeden Tag findet irgendwo anders im Dorf eine Hochzeit statt. Und man bekommt es mit. Denn trotz Regen und kalten Temperaturen, wird draußen gefeiert. Provisorische Zelte werden aufgebaut. Der Garten oder der Acker mit Stroh ausgelegt, einen großen Bambusstamm mit Girlanden und Fahnen versehen, erstreckt sich über das Grundstück und es wird nahezu Tag und Nacht, und das drei Tage lang, Musik aus riesigen Boxen gespielt.

 

 

Dann gibt es Unterschiede zwischen den Hochzeiten. Es gibt immer noch arrangierte Ehen und es gibt Liebesehen. Bei jeder Art gibt es zwei Hochzeiten. Eine wenn man sich findet und beschließt zu heiraten, dies ist ein kleines Fest, so sagt Adhish. Dann tritt eine Probezeit ein. Wie lange die ist, kann jeder selbst festlegen. Oft dreht es sich um 5 Jahre. Eine Scheidung bis dahin, wenn man merkt, dass man da wohl den falschen Partner gewählt hat ist kein Problem und gesellschaftlich akzeptiert. Wenn man sich sicher ist, dass das der Partner fürs Leben ist, dann gibt es eine zweite Hochzeit. Und die ist dann nen Bomben-Fete :D also richtig groß bis zu 300 Leute kann sie umfassen. Wir konnten beides beobachten aber leider keinen wirklichen Unterschied feststellen...vielleicht fehlt uns da das nepalesische Auge. Eine Scheidung oder Trennung nach dieser zweiten Hochzeit, sollte man besser lassen. Sowohl die Familie als auch die Gesellschaft begrüßt das gar nicht und ein gesellschaftlicher Ausschluss droht. Aber sehr realistisch und effizient diese Vorgehensweise müssen wir feststellen :D Eine Bedenkzeit für die Ehe, würde sich das nicht manch einer im Westen auch wünschen :D


Die Feier an sich ist groß. Quasi jeder ist eingeladen zu kommen. Es fließt selbstgemachter Alkohol der hier Raksi  heißt (wir wurden ebenfalls dazu eingeladen was eine große Ehre bedeutet) und Essen in rauen Mengen. Es wird endlos gefeiert. Geredet, gegessen und getanzt.

Es wird neben der modernen Musik aus den Boxen auch traditionelle Musik gemacht.

Alles in allem ein sehr geselliges, freudiges Zusammensitzen über drei Tage, sie haben ja in den Wintermonaten Zeit und an einer Hochzeit gehört es sich ja ordentlich auf den Putz zu hauen.

 

Wenn die Braut oder der Bräutigam aus einem anderen Dorf kommt, wird diese oder dieser mit einem Festzug zu Beginn der Festtage abgeholt, sodass wirklich das Ganze Dorf die Feierlichkeit mitbekommt.
Es ist ein bunter, lauter musikalischer Umzug. Und man muss sich dabei die Distanzen vorstellen. Es ist nicht mal eben und die Ecke laufen sondern mehrere Kilometer und Stunden bis zu einem Tag kann der Weg dauern.

 

Und natürlich gibt es zur allgemeinen Unterhaltung und Erheiterung ein paar Spiele wie zum Beispiel Tauziehen. Das exotischste und witzigste Spiel war es, einen Hahn zu ergattern, der in einem Korb, auf einem 10 oder 15 Meter langen Bambusstamm gehängt wird. Dieser wird auf einem Platz ein Stück weit eingegraben, mit Öl oder Fett beschmiert, damit es ja nicht zu einfach werden sollte an dem Bambusstamm 10 Meter hochzuklettern und den Hahn zu erlangen. Ziel ist es dann an dem Stamm hochzuklettern und den Korb mit Hahn irgendwie herunterzukommen. Das ist ein riesen Spektakel, nicht nur für die Feiernden.

 

Wir zeigen es euch hier in Bildern und Videos, wie kreativ, spannend und schwierig dieses Unterfangen ist und wie stolze Gewinner aussehen. 

Und so sieht der glückliche Gewinner aus. Er war ca. der 20igste, der den Versuch gewagt hat und den Bambusstab hinausgeklettert ist, und es letztlich geschafft hat.

- Die Prominenz des Dorfes - 


Und dann gibt es noch die Prominenz des Dorfes. Zum einen klar unser Adhish, der sich mit so viel Herz, Engagement und Coolness einsetzt die Schulen zu unterstützen, der versucht sein Dorf bekannter zu machen, den Tourismus hier her zu bringen und mehr und mehr Herzen für sein paradiesisches Dorf schlagen zu lassen und das Leben hier am Fuße des Everest etwas einfacher zu machen. Denn nicht mal auf Google Maps kann man Chheskam finden, also keine wirklich leichte Aufgabe.

 

Und dann durften wir auch einen der mutigen und leicht verrückten Erfinder, Tüftler von Chheskam treffen, der immer mehr Bekanntheit erreicht, dadurch dass er in Eigenregie einen Motor-Glider baut. 

 

Und mittlerweile wohl auch schon seinen ersten erfolgreichen Flug hatte.

 

Wir finden das ein äußerst mutiges Unterfangen. In einer kleinen sehr chaotischen Werkstatt, in der er hauptsächlich als Techniker elektronische Geräte repariert, hat er diverse Prototypen an Motoren und Propellern gebaut und ist mit und mit zu seinem Motor-Glider gelangt.

 

Wir wissen ehrlich nicht, ob wir den ersten Flug mit ihm gewagt hätten.

 

Bei unserem letzten Besuch hatte er quasi alle Einzelteile fertig gestellt und es fehlte nur noch das Zusammensetzten.

Er präsentierte uns auch stolz den Motor.
Dieser lief jedoch nicht so ganz rund, unserer Meinung nach.

Er musste nämlich mit der bloßen Händen die Propeller andrehen, weil der Motor nicht von selber anspringen wollte, dabei besteht aber ja immer die Gefahr, das der Motor (wie ja beabsichtigt) anspringt. Wenn dieser aber loslegt, geschieht dies mit einer Geschwindigkeit und Stärke, dass bei voller Power zwei Erwachsene Menschen bewegt werden und in die Luft befördert werden sollen.

Also wenn man mal aus Versehen zu langsam ist und der Arm blöd drin stecken bleibt, ist dieser sicherlich danach kleiner als Kompott.

Aber mit einer Selbstverständlichkeit drehte er an den Blättern, bis der Motor ansprang. Und dann kam ein Wind zu spüren, der wirklich stark ist und das Gestell bei Vollgas nur mit Mühe von zwei Nepali gehalten werden konnte. 

- Zukunftsmusik oder schon fast Realität? - 


Manch einer fragt sich, wofür baut jemand so etwas am Ende der Welt, wo die Menschen keine warme Duschen haben, manchmal gar kein Wasser haben und hauptsächlich damit beschäftigt sind ihr Hab und Gut aufrecht zuhalten und an manchen Tagen um das täglich Brot fürchten müssen. 

 

Ja das ist hier oben Zukunftsmusik.
Bzw. Investition in der Hoffnung der Tourismus möge bald auch hier ankommen und das Leben verändern und im Zuge der Straße auch gar nicht mehr so weit weg.

 

 

Das gleiche betrifft ein Paar, das ein neues Haus gerade fertig gestellt hat. Ihr Eigenheim, kombiniert mit ein paar Zimmern im ersten Stock zur Vermietung. Es ist alles fertig, sogar die Betten stehen bezogen im ersten Stock, als ob gleich ein Bus ankommen könnte und die Gäste direkt die Zimmer beziehen können.
Doch das diese Situation im kommenden Jahr eintritt ist noch recht unwahrscheinlich. Fremde kommen hier so selten hin, wie bei uns mal eben ein Nepali durch die Stadt gehen würde. Also fast nie. 

Aber sie glauben daran und es ist kein unbegründeter Glaube aber ein sehr früher. Es ist der blühende Optimismus, der hier lebt und die Zuversicht, das alles schon seinen Sinn und Zweck haben wird und alles funktioniert egal ob geplant oder nicht. Denn das ist Nepal, spontan, (un)pünktlich, gelassen, zu spät, alles nur nicht konstant oder gleich.

 

Und all das, hat uns dieses Land gezeigt, unsere Herzen im vollen Sturm erobert, fasziniert und geprägt.

 

 

Wir sind gespannt, ob wir so ein facettenreiches Land in der Intensität noch auf unserer kommenden Reise begegnen werden.

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