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Fast wie ein bisschen nach Hause kommen

Um ehrlich zu sein habe ich mich mit dem Beginn für Thailand zu schreiben sehr schwer getan. Unser erstes Reiseland Nepal hat den Maßstab an Erlebnissen und Momenten, über die man berichten konnte so hochgelegt, dass das Reisen und Leben im Thailand daneben fast unspektakulär und „normal“ zu sein scheint.

Man geht durch die Straßen, fährt mit den Bussen, schläft in Hotels und auf den ersten Blick bzw. mit den Erfahrungen, die noch von Nepal im Kopf umherschwirren alles erstmal total gewöhnlich. Aber klar, wir waren genau vor einem Jahr das erste Mal in Thailand, kennen also schon Land und Leute und es kommt einem nichts Neu vor. Zum Teil kommt es uns so vor als ob wir erst gestern hier gewesen sind.
Fast ein bisschen wie zu Hause ankommen. Zum ersten Mal seit 1,5 Monaten sieht man bekannte Straßen, weiß wie man vom Flughafen in die Stadt kommt. Weiß welche Supermärkte wo sind, weiß auf welches Essen man sich freuen kann. Ja ein klitzekleines bisschen wie nach Hause kommen. Ich kann mir gar nicht ausmalen, wie es sein wird, wenn wir nach unserer Reise das erste Mal nach Hause in Deutschland kommen werden. Schon nach nur 2,5 Monaten Reisen erfüllt mich ein Kribbeln, wie dieser Moment sein wird, was diese Zeit mit uns und mit euch gemacht haben wird.

Aber bis dahin warten hoffentlich noch viele schöne Länder und viele schöne Momente, die wir euch erzählen können.

Also in Thailand besteht nun nicht mehr die Herausforderung sich zu orientieren, an ein neues Land und die Kultur zu gewöhnen, sondern auch hier das Auge darin zu schulen, was es so anders und dennoch besonders macht.

In Nepal strömten so viele Reize auf uns ein, dass wir manchmal gar nicht alles erfassen konnten und auch nicht in Worte fassen können.

Hier besteht nun die Kunst darin aufgrund der außergewöhnlichen vergangenen Reize das Besondere zu sehen, bzw. erstmal zu lernen wahrzunehmen, weil für uns schon einiges so selbstverständlich ist.

Also werden wir nicht mit Reizen geflutet, sondern können aus einer sicheren Distanz und mit viel Gelassenheit auf alles schauen.

 

 

Und dann wird schnell deutlich und die Erinnerungen klar, wie es letztes Jahr war, als wir in Bangkok gelandet sind, als wir vom Arbeits- und Studiumsalltag mit der Sehnsucht nach Urlaub und Ruhe in einer lauten, dreckigen und vollen Stadt ankamen. Alles blinkt und überall hängen bunte Reklameschilder. Straßenstände und kleine verwinkelte Straßen. 


- Alles ist eine Relation -

 

Und da wird bewusst, es sind vermutlich immer die Relationen die unsere Wahrnehmung so gut täuschen können. Denn diese Erinnerungen an letztes Jahr stimmen dieses Jahr irgendwie fast gar nicht mehr überein.

 

Wir empfinden Bangkok, geordnet, unglaublich sauber, ruhig, angenehm.

Fast wie Erholung auf einmal…ein bisschen grübeln wir über diese Gefühle nach aber eigentlich ist es offensichtlich.
Im Vergleich zu Nepal und Kathmandu ist Thailand einfach ein fortschrittliches und unglaublich modernes Land.
Und mit Sicherheit hat sich in einem Jahr noch einiges getan hier. Infrastruktur, Tourismus, Wirtschaft.

Letztes Jahr wirkte es in einigen Teilen rückständig. Überall alte Autos, Smog, Busse, die fast auseinander fielen.

Viele Menschen die auf der Straße leben.

Sicherlich gibt es von diesen Menschen auch noch genügend. Wir möchten das an dieser Stelle nicht verharmlosen. Jedoch hat sich was getan. In einem Jahr hat das Land einen wahnsinnigen Sprung gemacht.

Warum es auch etwas schwerer fällt über Thailand zu schreiben macht, ist das vieles gar nicht mehr so exotisch wirkt. Das Land nähert sich immer mehr dem Westen und den westlichen Standards. Das macht das Reisen hier natürlich sehr einfach und unkompliziert.

Aber dennoch bei genauerem Hinsehen gibt es doch immer wieder schöne Kuriositäten zu entdecken.

 

Durch den Tourismus geht so oft die wahre Seele des Landes verloren oder beginnt zu verschwinden, da sich erstens sehr viele Kulturen mischen aber auch der Tourismus oftmals die Standards des Landes auf den Kopf stellt und an die Wünsche der Touristen angepasst wird.

Daher muss man in manchen Teilen genauer auf das Land und seine Menschen schauen. 

 - Oh du schönes Thailand - 

 

 

Womit Thailand besticht sind in jedem Fall seine Menschen.
Zum einen typisch asiatisch etwas reserviert, aber stets hilfsbereit und merken sofort wo Not ist, sie sind so verrückte Menschen. Alleine schon bei der Taxifahrt zu unserem ersten Hotel in Bangkok mussten wir es wieder feststellen.

Du steigst ein und der Taxifahrer fängt auf seinem Thai-Englisch in einer Tour etwas zu reden. Was er den Tag gemacht hat, dass das Geschäft nicht gut war, dann zwischendurch erzählt er uns etwas über die verschiedenen Stadtviertel, durch die wir gefahren sind. Stellt interessiert fragen, alles etwas durcheinander, groß gestikulierend, fahrend und hart zu verstehen aber auf eine total nette Weise. Mischung aus Taxifahrer, Touristen-Guide, Verkäufer und Onkel. Aber was man nie vergessen darf. Thais sind auch echte Geschäftsleute oder mal ganz direkt gesagt Schlitzohren. Wo ein Geschäft zu wittern ist oder Geld bei rausspringen könnte haben sie ihre Methoden. Klar zu misstrauisch darf man nicht sein, denn nicht alle sind gleich. Aber aus letztem Jahr haben wir gelernt. Der Englischlehrer der frei hat und dir DAS SUPER Angebot mit ner tollen privaten Bootsfahrt macht oder organisiert und du dann mal eben 45€ anstatt gewöhnliche 1 oder 2€ zahlst. Oder du quer durch eine Stadt gefahren wirst. In irgendein Reisebüro gesetzt wirst und dir versucht wird ein neues Ticket, ein Hotel, ein Taxi und vielleicht noch ne Waschmaschine und nen Panda zu verkaufen, weil du irgendeinem Thai mit Kleinbus geglaubt hast, der am Hafen steht , wild mit den Händen wedelt und schreit, dass alle die nach Koh Lanta (eine wunderschöne Insel im Süd-Westen von Thailand) wollen von einem anderen Hafen ablegen, den Einheimischen und den Massen folgt und dem ganzen glauben schenkt….
Ja also deswegen sind wir etwas vorsichtiger geworden und auch wesentlich misstrauischer. Und daran hat sich nicht viel geändert. Oft findet man Menschen an Straßenecken mit Broschüren oder Plakaten stehen oder ihr Business und Büro von ihrem Auto aus machen, sie versuchen dich abzufangen und zu bequatschen. Etwas rätselhaft ist uns, wie groß die Erfolgsaussichten für diese Straßenverkäufer sind. Aber wir sind letztes Jahr ja selbst drauf reingefallen. Also wenn nur einer so naiv und übermüdet wie wir letztes Jahr waren ist, dann lohnt sich das Business vermutlich bei einem Erfolg im Monat für den Rest des Monats. Hahaha.

 

Oder auch ein sehr schönes Phänomen oder Event, das wir begeistert beobachtet haben ist wie sie gemeinsam im Park, im Parkhaus, auf dem Campus oder einfach auf dem großen Gehweg vor dem super blinkenden Einkaufzentrum Aerobic machen. 

Eine Bühne wird zack zack aufgebaut, riesige Boxen herangekarrt, eine Art Sportlehrer oder Vorführer stellt sich dann vor die Truppe, in der Stadt sind es vielleicht nur 30, im Park dafür aber bestimmt an die 80 Menschen, wenn nicht sogar mehr. Und sie tanzen, drehen, hüpfen zu der blechernen Musik aus den Boxen. Und es ist jedes Alter dabei. Sogar die Omas und Opas von nebenan sind in ihre Sportkleidung gehüpft und machen ganz ambitioniert mit, sie können sogar schon alles 'Moves' sie brauchen gar nicht mehr auf die Person im Vordergrund zu achten. 
Wirklich einfach sehenswert und so lobenswert, dieses tüchtige und sportliche Volk.


Einer der bekannten fahrbaren Essenstände. Aber heute ist hier mal ein sehr exotisches Nahrungsmittel im Angebot. 

Sie sind in jedem Fall, wenn auch in manchen Teilen mit negativen Auswirkungen für naive Touristen, geschäftstüchtig.
in jedem Winkel oder auch immer nur wenn ein Hauch an Attraktion, Aussichtspunkt, Wasserfall oder sehenswertes zu finden sein könnte, gibt es einen Essensstand, Souvenirs zu kaufen, man zahlt Eintritt oder einfach nur ein paar Baht um seinen Roller später wieder finden zu können.

Dadurch ist aber auch wirklich fast jeder beschäftigt. Selten sieht man Menschen nur rumstehen und nichts tun.
Sei es einen kleinen fahrbaren Essenstand rumzufahren, mit dem Tuk Tuk Menschen von A nach B zu fahren, Straßenschilder zu halten, Ein und Ausfahrt für einen Parkplatz zu regulieren oder gar das Laub auf einer Landstraße von vor der Leitplanke hinter die Leitplanke zu fegen. Es ist egal aber faul sind sie nicht.

 

Oder man zahlt Gebühren, einfach weil man Touri auf der Stirn stehen hat. Sei es bei Eintritt in den Nationalpark, Eintritt für einen Tempel, Wasserfall, Tümpel, damit man Roller fahren „darf“ , selbst wenn sie Eintritt oder eine Gebühr für ein Stück leere Wüste oder ein Katzenklo fragen würden, würde mich das nicht wundern.

 - Balsam für die Seele und/oder für den Magen?! - 

 

Aber das Essen, ja das thailändische Essen davon könnten wir bestimmt Tage schwärmen. Es ist ein wahrer Genuss. Sei es an kleinen Straßenrestaurants oder auch mal an größeren. Oder an den Ständen auf den Nachtmärkten. Hier kann man wirklich für das Essen und deren Vielfalt leben.

Immer frisches und buntes Gemüse. Obst in allen Farben und Formen und meist wohl eben vom Feld geholt. Grünes Curry, Pad Thai, Kaoh Soi oder ein herrlich erfrischender Fruchtshake, diese Frische und Auswahl wünscht man sich doch immer.

Die Thais wissen zu kochen, zu braten, zu frittieren und zu würzen. Und das alles zu Preisen, die man sich in Europa oder Deutschland kaum vorstellen kann. Ein Abendessen hier kostet uns maximal 5 oder 6 Euro und da ist alles dann dabei, manchmal sogar drei Gerichte, weil hier und da die Portionen wie Senioren- oder Kinderteller aussehen.

Wirklich ein Mekka für den Gaumen (wenn hier nur kein Schweinefleisch wäre höhö)

 

 

 

Also wir lassen es uns in Thailand wirklich gut gehen. Ebenso genießen wir auch wirklich gute Massagen die uns die Füße vom vielen laufen und Schultern von den schweren Backpacks wieder regenerieren lassen. 


- Der Alltag auf Reisen und seine Hindernisse - 

 

Es fühlt sich tatsächlich etwas wie Urlaub an.
Manch einer denkt, ach das ist doch alles Urlaub.
Ja, die Länder und das was man sieht schon, doch die Planung, immer ein Dach über den Kopf zu haben, das richtige Essen, der nächste Transport, das richtige Visum und jedes Mal das neue Anpassen an Kultur, Städte, Essen und Währung fordert mehr als manch einer denken mag. Und wenn man dann mal so ein paar Tage die Seele so richtig baumeln lassen kann, ohne sich groß Gedanken um das Essen, die Menschen oder die Umgebung zu machen, das tut schon gut.

 

Zudem gibt es auch immer wieder kleine Hindernisse, die die Tagesabläufe nicht immer so bleiben lassen wie gedacht. Einmal zu wenig aufgepasst und schon hat es mich beim Überqueren der Straße irgendwie fast umgehauen. Ein wabbeliger Fuß und kurz darauf ein echt stechender Schmerz im Fußgelenk lässt dann mal kurz aufschrecken. Der Fuß schwellte dann noch etwas an und die Schmerzen waren durchaus aushaltbar, aber merklich, sodass in den darauffolgenden Tagen nicht viel mehr als auf dem Balkon sitzen und lesen, schreiben, rumhängen drin war. Einerseits schade, andererseits taten diese paar Tage auch unseren Köpfen und Seelen gut. Und der Fuß hat sich wirklich schnell erholt.

Also vielleicht auch hierbei ein bisschen Glück im Unglück?!

Auch wenn mir bis heute echt schleierhaft ist, was mich da so zu Fall bringen lassen hat, obwohl die Straße, Bürgersteig und Bordstein keine wirkliche Herausforderung waren und es tausende gefährlichere bis durchaus verständlichere Stellen zum Umknicken gegeben hätte.

Tja, zugegebenen Maßen vielleicht nicht einer meiner hellsten Tage. Aber wer hat diese denn nicht?! Und auch auf einer Reise wird man vor Missgeschicken nicht gewahrt.
Auch wenn man zugegebenen Maßen oftmals viel besorgter ist und auch nicht so schnell zum Arzt geht, weil man nicht weiß ob es notwendig ist und wie die hier so sind.
In Thailand muss man sich mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum Sorgen machen aber dennoch ist so eine Hemmschwelle vorhanden.

Genauso stehts um mein Henna Tattoo. Und hier eine Warnung an alle. Wenn ihr auch dachtet Henna sei unbedenklich. Tja dann kommt hier die Enttäuschung. Ist es nämlich definitiv nicht.

 

An unserem lustigen Khao San Road Abend habe ich mir ein Henna Tattoo machen lassen, in der Annahme, dass das ja total harmlos ist.
Tja fast 4 Wochen später ist es quasi noch immer da. Zwar nicht die Farbe aber die Haut hat nach 2 Wochen allergisch reagiert und ein rotes Muster genau in der Form des Hennatattoomusters. Es hat zu Beginn dann auch gejuckt.
Na ja es wird besser so viel sei gesagt. Aber unterschätzt es nicht. Kleiner Tipp von mir. Oder lasst es ganz. Es sei denn ihr wollt ein Feuerrotes Erinnerungsmal an die Khao San Road.
Aber auch hierbei. In Deutschland wäre ich mal zum Arzt gegangen. Hier hält man einiges länger aus, weil man auch einfach gewisse Hemmungen vor dem Arztbesuch hat.
Und man sich in fremden Länder ja doch Gedanken macht, ob man ggf nicht kränker raus kommt als man rein gegangen ist.
Und ganz abgesehen davon ist die Sprache ja immer so eine kleine Barriere.

Aber keine Angst, wir passen gut auf uns auf und wägen stets ab wie schlimm es ist. Und in wirklich ernsten Fällen gehen wir unbedingt zum Arzt, wenn wir selber keine Ahnung mehr haben, was wir noch machen können. 

 

 

Das war ein erster Abriss über unsere Eindrücke in Thailand. 

Aber wir wollen euch noch so einiges erzählen und euch inbesondere in den Norden nach Chiang Mai und sogar noch weiter bis zum 'Goldenen Triangle' mitnehmen. 

 

Also seid gespannt.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Pauli (Donnerstag, 28 März 2019 02:08)

    Wirklich super interessante Eindrücke. Man liest das echt gerne und ihr habt ein Händchen dafür, einzelne Erlebnisse so zu verpacken, dass man gleichzeitig ein größeres Bild gemalt bekommt, das viele Zusammenhänge offenbart.