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Abenteuer bei Captain Hook

Heute steht auf unserem Plan eine weitere Kaffeeplantage zu besuchen, diese ist jedoch etwas spezieller als die von Mr. Vieng. Denn sie gehört zu einem indigenen Volk, der Katu Ethnie. Wir sollen hier nach einem Captain Hook, einem Bewohner des Dorfes, Ausschau halten, der diese nämlich betreibt.

 

Das Dorf liegt nahe Tad Lo’s und die Bewohner leben hier noch sehr autonom und verfolgen eine strenge und wirklich spannende Kultur.

 

- Der erste platte Reifen mitten in der Pampa - 

 

Aber bevor wir da überhaupt ankommen hält uns ein kleiner Zwischenfall noch auf. Auf einer vermeintlichen Abkürzung über eine wahnsinnig steinige Straße geschieht wovor wir immer Angst hatten. Irgendwo auf einer Straße Kilometerweit von der Ortschaft entfernt haben wir einen Platten.

 

Also heißt es erstmal Reifen flicken oder auswechseln.

Aber dafür müssen wir erstmal wieder in die Nähe einer Werkstatt kommen, die nächste liegt aber einige Kilometer entfernt. Also heißt es erstmal Schieben bis nach Tad Lo.

Der Reifen ist schnell repariert und wir hoffen, dass das jetzt hält. Hierfür wurde der Schlauch ausgebaut und auf einer heißen Metallplatte mit einem anderen Stück Gummi verschmolzen. Mal sehen wie lange das reicht.

 

Dann geht es über den Highway weiter zu der besagten Village.

- Begrüßt wurden wir mit einer Bong - 

 

Bei Ankunft des Dorfes müssen wir 5000 KIP Eintritt zahlen und bemerken schon, dass es hier anders ist, dass die Atmosphäre etwas streng ist und viele Augen einen begutachten.

Zudem nimmt eine junge Frau das Geld entgegen und hat währenddessen eine Bong in der Hand, an der sie auch ununterbrochen zieht, während sie uns abkassiert. Sehr ungewöhnliches Verhalten finden wir. Aber es kommt noch ungewöhnlicher als wir in dem Moment bereits denken.

 

 

Wir fahren weiter und kommen beim besagten Captain Hook an. Er besitzt und leitet eine Kaffeeplantage, gibt Führungen durch sein Dorf und hat nun auch ein Homestay, in dem man für ein paar Nächte unterkommen kann. 

Er empfängt uns unter seinem Haus, Bong rauchend, auch hier, das ist sehr typisch und gehört zu ihrer Tradition. Um ihn laufen Kinder und Jugendliche. Ältere Erwachsene sitzen am Nachbartisch.

Er begrüßt uns freundlich und bittet uns Platz zu nehmen.
Wir trinken einen Kaffee aus den Bohnen seiner Kaffeeplantage aus Bambusröhrchen und kriegen auch kurz darauf schon bald die Bong zum Rauchen angeboten.

Diese besteht aus einem Bambusrohr mit einer Dose dran, in der oben drauf die Kohle brennt und innen der Tabak, bzw. eine Mischung aus Zuckerrohr und Tabak. Angeblich kein Cannabis wohl, was man jedoch vermuten könnte.

Jeder raucht hier Bong, das ist schon langjährige Tradition und schon im frühen Kindesalter.

Warum, stellt sich da natürlich die Frage und die Antwort lautet: wegen der Mücken. Um die Mücken zu vertreiben würden auch die Kinder schon Bong rauchen, im Alter von 3 Jahren wissen sie wie und sind eigenständig im Zusammensetzten und Benutzen. Ja, da fallen einem fast die Ohren ab und man kann es nicht verstehen. Denn wir wissen, dass es ungesund ist und man sieht es ihnen deutlich an. Alle haben rot unterlaufene Augen und gelbe Zähne. Schon ein merkwürdiges Bild. Besonders die Kinder die eigentlich im Dreck spielen sollten und das auch sicherlich tun, ziehen hier und da an der Bong.

Kurz nachdem wir sitzen gesellen sich noch drei Israeli zu unserer Gruppe hinzu und einen weiteren Kaffee später geht es los.

 

 

- Wie man sich in so einem Dorf zu verhalten hat - 

 

Etwas abseits von seinem Haus erklärt uns Captain Hook ein paar Regeln, bevor wir durch das Dorf gehen, auf weitere Bewohner treffen oder seine Plantage betreten.

Und ab hier wird es schon recht interessant.

Wir sollen nicht an die Häuser klopfen (warum wäre die nächste Frage), wir sollen nicht einfach in Häuser gehen, keine Fotos von den Bewohner oder dem Dorf machen, wir sollen immer Fragen, ob es in Ordnung ist Fotos zu schießen, nicht auf etwas mit dem Finger zeigen und nicht mit ihnen reden. Dieses Volk ist eines von vielen indigenen Völkern, die es hier in Laos und den Nachbarländern gibt. Ihre Kultur und ihr Glaube ist Jahrhunderte alt und wird streng verfolgt. Einflüsse von anderen Dörfern oder Menschen anderer Kulturen werden so gut es geht verweigert und fern gehalten. Touristen sind nicht wirklich gerne gesehen hier, vor allem weiße, denn mit ihnen wird hauptsächlich in Verbindung gebracht, dass sie die Bomben fielen ließen und nur Zerstörung brachten, etwas wo sie volle Berechtigung haben dies zu denken. Für sie ist jeder Weiße ein Amerikaner. Und die letzte Regel, die aber eigentlich wirklich selbstverständlich ist: Der Kultur und dem Glauben hier vor Ort Respekt zeigen.

 

 

Dann geht es erstmal zu den Plantagen. Hier erzählt er uns viel über Kaffee. Unglaublich detailliert.

Welche Sorten, wie wird er angebaut, wie verarbeitet. Davon wissen wir natürlich schon etwas aufgrund unseres ersten Besuchs auf der Kaffeeplantage von Mr. Vieng

 

- Warum eigentlich Kaffee in Laos? - 

Aber Hook erzählt uns auch ganz über die Geschichte des Kaffees, warum Laos Kaffee anbaut, wann es angefangen hat.

Kaffee hat schon eine unglaublich lange Geschichte und wurde in Laos nur wegen der Kolonialmacht, der Franzosen, angebaut, sie liebten oder besser sie lieben immer noch Kaffee und da das Klima in Laos bzw. Südostasien besser für den Anbau war und ist, wurde die Kaffeeproduktion schlichtweg hierher verlegt.

 

Der ursprünglichste Name für Kaffee war Afa (ganz ursprünglicher Name in Äthiopien) dann wurde daraus das arabische Wort Kaffa (Arabisch) und schließlich daraus, da es schlichtweg ähnlich klingt der Begriff Kaffee für uns.

 

Auch Captain Hook baut, wie Mr. Vieng, organischen Kaffee an. Und der Unterschied ist schlichtweg der fehlende Einsatz von Chemikalien während des Pflanzens und Wachsens der Bohnen.

 

Hook zählt aus dem Effeff 26 verschiedene Kaffeesorten auf, in welchem Land sie wachsen, welche wo am beliebtesten sind. Wir können gar nicht so schnell zuhören wie er uns diese Infos zuwirft. Wir sind beeindruckt und ertappen uns beim Gedanken, diesen Mann hier - in einer Welt fernab von unserer so bekannten - in seinem Wissen und seiner Intelligenz unterschätzt zu haben.

 

 

- Alle Heilpflanzen sahen wie Ingwer aus -  

 

Danach tauchen wir langsam in die Welt der Katu ein als wir durch den medizinischen Garten streifen. Hier werden uns bestimmt 50 verschiedenen Pflanzen gezeigt, die für uns aber alle wie Ingwer aussehen. :D

 

Aber gegen alles gibt es eine andere Pflanze. Ganz klassisch gegen Beschwerden wie Übelkeit, Fieber, Magen-Darmbeschwerden. Oder auch sehr spezielle bei Kinderwunsch etc.

 

Wir können viele von den Pflanzen riechen, schmecken, anschauen.

 

Er zeigt uns sogar wie man mit einem speziellen Grashalm einen Vogel abschießen kann. Seht es euch selbst an, hier im Video:

Zwischen den ganzen Pflanzen und dem Umherschlendern können wir alle Fragen stellen, die uns in den Sinn kommen und er erzählt uns immer wieder etwas über die Traditionen seines Dorfes woran sie glauben,dem Leben und Wirtschaften.

 

 

- Der Glaube des Animismus - 

 

Die Katu verfolgen einen Glauben der Animismus.

Dieser Glaube ist sehr komplex und für unsereins manchmal sehr fern. Das Hauptmerkmal würde ich sagen ist, dass alles eine Seele hat. Ob Mensch, Tier oder Stein, alles was existiert eben.

Und da alles eine Seele hat, hat alles einen Sinn im Leben und einen Weg zum Leben. Zudem glauben sie an die Wiedergeburt und für die Wiedergeburt wird das zurückliegende Leben betrachtet und je nachdem ob es ein gutes oder schlechtes Leben war, wird man dementsprechend wiedergeboren. Verhält man sich im Leben schlecht so wird man in ein „niederwertigeres“ Leben wiedergeboren. Sei es als Stein, als Tier oder als Baum. Aber auch in diesen nächsten Leben wird begutachtet, ob und wie man wiedergeboren wird. Also eigentlich alles was existiert kann wiederum gute oder schlechte Existenz sein. Die Schleife der Wiedergeburten scheint demnach unendlich.

 

Für ein gutes Leben oder besser gesagt Existenz muss man sich auch an einige Dinge halten. Man muss Ehre für die Familie bringen. Keine Straftaten begehen, eigentlich ein gutes, ehrliches Leben leben.

Begeht man jedoch einen Fehler oder gar eine Straftat, so wird es sich auswirken.

 

Bei manchen Dingen fragt man sich, wie denn ein Baum oder ein Stein eine schlechte Existenz haben kann, sodass sie in etwas niederwertigeres wiedergeboren werden? Darauf sagt Captain Hook ganz trocken und selbstverständlich, wenn ein Baum einen Ast verliert sei es durch einen Sturm oder nicht und damit ein Haus zerstört oder gar einen Menschen trifft, dann ist es ein schlechter Baum. Logisch macht das für uns weniger Sinn, da wir eher nach Ursache und Wirkung gehen würden, aber es ist nun mal ihr Glaube.

Und wir (einer unserer Gruppe) waren auch dran mit dem Versuch den Grashalm als Jagdwaffe zu benutzen.

- Rituale zur Befreiung von Unglück-

 

Genauso kann viel Unheil über das Leben und die Familie hereinbrechen. Dieses Unheil würde beispielsweise dort anfangen, wenn wir an die Häuser geklopft hätten oder einfach die Menschen ansprechen würden. Damit würden wir etwas von den Menschen berühren oder beeinflussen, das fremd ist oder einfach für etwas Schlechtes steht.

Und somit würde ihrem Glauben nach Unglück über sie hereinbrechen oder Schande bringen.

Dieser Schande sind sie aber nicht hilflos ausgesetzt. Hierbei helfen viele traditionelle Rituale dieses Unheil abzuwenden oder die Familie wieder zu bereinigen. Dies geschieht je nach Ausmaß. Manchmal reicht es ein Tier zu opfern und das Haus ist von dem Unglück befreit. Manchmal reicht es aber nicht und die ganze Familie muss aus dem Haus ausziehen, da es nicht möglich ist in dem Haus voller Unglück zu leben. Sie müssen in den Wald ziehen oder ein neues Haus bauen. Oftmals ist der Glaube sehr radikal.

 

- Familienleben-

 

Wie zu Anfang erzählt lebt Captain Hook mit vielen Menschen um sich herum. Alle sind seine Familienangehörige. Alle Generationen leben in einem Haus. Auch das schreibt die Tradition vor. Wenn der Mann heiratet bleibt er im Haus der Eltern, bis diese sterben. Die Töchter ziehen nach ihrer Hochzeit immer zu der Familie des neuen Mannes, wie es auch in vielen anderen Kulturen der Fall ist. Teilweise leben bis zu 70 Menschen in einem Haus, das ist die höchste Anzahl an Personen, die hier je in einem Haus gelebt haben. Wir können uns gar nicht vorstellen wie das aussieht und ganz ehrlich gesprochen, wer von uns zu Hause würde es Tag und Nacht mit seiner ganzen Familie aushalten, ohne irgendwann schlichtweg irre zu werden?! Also wir haben ja alle unsere Verwandten lieb aber wer ist denn bitte nicht froh nach einer Woche oder einem Tag mal für ein paar Minuten die Türe zu schließen und sich mal einfach aufs nächste Wiedersehen zu freuen? Eben.

Also bei 70 Menschen in einem Haushalt ist das Haus schon dementsprechend groß, aber niemals hat hier jeder ein Zimmer für sich. Oder jede Familie ihren eignen Lebensraum.

 

Zudem kommt hinzu, dass auch nicht jeder einem geregelten Arbeitsleben nachgeht. Diese Tradition finde ich extrem bewundernswert.

- Das romantische Blatt, die Tradition der Ehe - 

 

Und während wir so über die Plantagen schlendern und Hook uns alles zeigt, pflückt er ein Blatt und erzählt uns, dass man mit diesem Blatt um eine Frau wirbt. Jedoch ist das nicht so gängig wie arrangierte Ehen, denn schätzungsweise werden die meisten Ehen von den Eltern arrangiert.

 

Mit diesem „Romantic Leaf“ pfeift der Mann vor dem Haus der Frau. An drei Abenden taucht er so vor dem Haus der Frau oder des Mädchens auf. Beim dritten Mal, wenn die Frau die Zuneigung erwidert, kommt sie aus dem Haus und sie können sich treffen. Hier hat die Frau immer die Wahl nein zu sagen, wenn ihr der Mann nicht gefällt, ganz einfach, dann bleibt auch am dritten Abend die Tür schlichtweg verschlossen. Bei den arrangierten Ehen ist das jedoch sehr schwierig.

 

Generell finden die Eheschließungen sehr früh statt. Mit schon acht Jahren werden die meisten Mädchen verheiratet, da es als großes Unheil gilt unverheiratet zu sterben. Und je früher geheiratet wird, desto unwahrscheinlicher ist es ja dann unverheiratet zu sterben und diese Schande zu vermeiden. Klingt ja absolut logisch oder?? Ich finde diesen Glauben sehr erschreckend, denn man mag nicht meinen, dass diese jungen Mädchen mit Gleichaltrigen verheiratet werden. Um ehrlich zu sein, es hat etwas perverses. Aber es ist dem strengen Glauben geschuldet, der hier tief verankert ist und ich tue mich schwer dies hier zu bewerten, was schon so lange Tradition hat. 

Und er wollte uns ein Spiel zeigen, seht selbst was für ein schönes Spiel das ist. 

- Familienplanung - 

 

Der nächste Schritt nach dem frühen Heiraten ist demnach auch, dass die Frauen auch schon früh Kinder bekommen. Ebenso gängig ist es, dass Männer so viele Frauen heiraten und haben können, wie sie auch versorgen können. Also mit viel Geld können viele Frauen zu einem Mann gehören. Wir fragen auch Hook ganz unverblühmt, ob er mehrere Frauen hat. Er sagt darauf nein, aber er hätte gerne, nur hat er nicht genug Geld. Irgendwie einerseits belustigend diese Aussage andererseits schwingt immer etwas befremdliches dabei mit.

Und zum Glück hat das seine Frau nicht gehört denke ich mir, andererseits ist es wohl für sie keine außergewöhnliche Äußerung oder Gedanke wie für uns.

Familie hat hier einen hohen Stellenwert und man ist hier stark verbunden bzw. fast gezwungen im Bund der Familie zu bleiben.

 

Wenn sich nun zwei Menschen gefunden haben oder gefunden worden sind und ein neues Leben entsteht gibt es für dessen Namensfindung eine sehr schöne Tradition, wie ich finde. Der Name eines jeden Kindes entstammt den Träumen der Eltern. Der erste Traum des Vaters vor dem ersten Vollmond nach der Geburt des Kindes wird von der sogenannten Medium Woman (leider wissen wir nicht genau, wie ihre Position genauer aussieht) gedeutet und daraus ein Name abgeleitet.

 

 

So kam Hook auch zu seinem Namen, da es in dem Traum seines Vaters um Felsen ging und das Wort für Fels oder Stein in ihrer Sprache Hook bedeutet und für Stärke steht.

- "Man kann hier glücklich sein ein Mann zu sein" - 

 

Familie bedeutete auch, dass alles in der Familie bleibt. Klingt erstmal ja ganz gut irgendwie, so Familien verbunden. Doch auch die Frau bleibt in der Familie wenn ihr Mann stirbt und da sie nicht unverheiratet sein sollte, wird sie meist mit einem anderen Familienmitglied wieder verheiratet. Ganz pragmatisch. So wird das Haus nie leerer und der gute alte Gedanke von uns, dass man ja nicht gleich die ganze Familie heiratet, muss hier mit besonderer Vorsicht begegnet werden.  

 

Wie man bis jetzt schon heraus hört, ist der Status der Frau in dieser Ethnie nicht leicht, frei oder selbstbestimmt, ganz im Gegenteil.

Die Frauen können zwangsverheiratet werden, bekommen früh Kinder und müssen zudem auch sehr viel arbeiten. Hook gibt selber zu, dass es sehr bequem ist ein Mann zu sein. Zu alledem hinzu besteht die Aufgabe der Frau auch darin, alle harte Arbeiten zu verrichten, wohingegen der Mann nur die leichte Arbeit macht.

Am Beispiel des Kaffees erklärt er es uns.

Die Frauen sind für das Pflanzen, Pflegen, Ernten und Rösten der Bohnen zuständig. Der Mann kümmert sich nur um die Finanzen und um das Trinken. Ganz klare und einfache Arbeitsteilung, oder?

Und ja, das mit dem Trinken hat er selber gesagt. Als kleine „Ausrede oder Begründung“ sagt er, dass sie einfach so viele Whiskeys haben. Denn die Katu brennen aus allem Whiskey. Aus Bananen, Jackfruit, Ananas, Mango etc. eigentlich alle Früchte, die sie hier selber anbauen können. Und das muss ja auch weg, ist ja klar, was auch sonst?!

Hook sagt selber man ist in Laos glücklicher, wenn man ein Mann ist und lacht. Ja so ist das Leben hier vermutlich.

 

 

- Das Heilungssystem und der Tod - 

 

Und am jedem Lebensende steht ja bekanntlich der Tod. Und für diesen Fall steht immer ein Sarg unter jedem Haus, da es einfach dazu gehört und man vielleicht für jeden Fall vorbereitet sein muss. Letzteres ist eher eine Erklärung meinerseits, warum sonst stellt man sich unter jedes Haus einen leeren Sarg.

 

Im Falle des Todes wird eine Zeremonie gefeiert und der Tode aber je nach Grund und Art des Todes auf einem der unterschiedlichen Friedhöfe begraben.

Es gibt drei Arten von Friedhöfen. Für Frauen die während der Geburt gestorben sind, für den natürlichen Tod und für Tod in Folge eines Unfalls.

Wenn ein Tod in Folge eines Unfalls eingetreten ist, dann muss eine besondere Zeremonie gefeiert werden, da ein Unfall für Unheil und Unglück steht und durch eine Zeremonie dieses wieder bereinigt werden muss.

Ein Unfall ist manchmal schwer zu definieren, da bspw. ein Schlangenbiss irgendwo Natur ist aber irgendwo auch ein Unfall. Also wird aber immer im Fall des Unglücks entschieden und etwas geopfert, um sich zu bereinigen.

 

Aber wo wir gerade beim Schlangenbiss sind. Ein Gesundheit System gibt es hier nicht bzw. dies dürfen sie aufgrund ihres Glaubens auch gar nicht in Anspruch nehmen. Sie glauben an die heilenden Pflanzen aus dem Garten und an die heilende Kräfte der Medium Woman, Shamanen und des Gurus. Jeder dieser Postionen ist schon bei Geburt vorbestimmt, die sich irgendwann im Leben verdeutlicht und diese kommt im Laufe ihres Lebens zu Tage. Und jeder von ihnen hat ganz bestimmte Fähigkeiten und Aufgaben in dem Dorf. Leider haben wir nicht ganz herausbekommen können, wo genau welche Aufgaben und Fertigkeiten liegen. Wir haben jedoch das Gefühl, dass der Guru das Oberhaupt des Dorfes und eine Art Richter über Geschehnissen ist, die Medium Woman ist dafür zuständig das Leben auszurichten, Bestimmungen zu sehen und Träume zu deuten und der Schamane ist der Heiler der bei Krankheiten aufgesucht wird, wenn die Pflanzen nicht mehr helfen.  

 

Aber es gibt auch Situationen, in denen einfach nichts hilft und man dem Leben oder Tot schlichtweg ausgeliefert ist. Es ist ein Kräftemessen der Natur.

- Warum dürfen Touristen denn überhaupt hier rein?-

 

Bei dem Versuch ihre Tradition aufrechtzuerhalten und auch dem Fakt, dass Ausländer sehr unbeliebt sind fragt man sich, wie kommt es das hier so viele Ausländer sind, dass dieses Dorf überhaupt Ausländer und fremde rein lässt?

 

Dazu müssen wir Hooks Geschichte erzählen.

 

Er hat in Vietnam studiert, konnte das Studium jedoch nicht beenden, weil seine Familie ihn zurückholte.  Wir haben verstanden, dass der Guru herausfand, dass Hook Sex mit einer Frau in Vietnam hatte. Das heißt er hatte Beziehungen außerhalb seines Dorfes, was absolut inakzeptabel sei. Daher musste er zurück, jeglicher Ausgang aus dem Dorf ist ihm seitdem untersagt und er wurde gezwungen unehrenvolle Arbeiten zu tätigen. Also einfache Arbeit auf dem Feld wie zum Beispiel der Kaffeeplantage. Aber hier konnte er sich zum Vorteil machen, dass er die Touristen sah, wie sie durch die Gegend fuhren und interessiert an der Umgebung waren. So begann er ein paar Touren über die Kaffeeplantagen zu geben und schließlich auch über sein außergewöhnliches Dorf. Dies missfällt vielen Dorfbewohnern aber die Touristen bringen auch etwas Geld ein, dass dem Dorf direkt zu Gute kommt, nur ein kleiner Teil fließt der Plantage zu und daher tolerieren sie diese Art von Tourismus.

- Entwicklung und Zukunft der Ketu im Staat Laos - 

 

Die Entwicklung der Kultur und Fortbestand des Dorfes ist von Jahr zu Jahr mehr gefährdet, da der Staat den Dörfern Auflagen erteilt sich zu integrieren und sie nicht mehr autonom leben lässt. Zum einen, da ihre Lebensart einfach sehr anders ist und vermutlich auch einige Probleme der isolierten Menschen hier auftritt, denn sie bleiben nicht isoliert, von Smartphones, von Waffen, Drogen etc.

Zudem ist es auf bürokratische Weise schwer mit den Menschen hier, denn sie besitzen keine Pässe, keine offiziellen Dokumente, da sie eigentlich nie aus diesem Dorf herausgehen sollten. Doch da das zusehends schwieriger wird aufrechtzuerhalten, versucht der Staat zu interagieren und vor allem zu kontrollieren.

 

Die Kinder müssen zur staatlichen Schule gehen und zumindest die Grundausbildung von Laos erfahren, denn die Bildung ist bei den Katu doch sehr anders und sehr veraltet.

 

Der Glaube, dass die Erde eine Scheibe ist, ist hier beispielsweise noch vorherrschend. Und obwohl die Schulbildung langsam auch hier fortschreitet, wird versucht an diesen Glaubensgrundsätzen festzuhalten. Doch es wird sehr erschwert, denn wenn die Bevölkerung der laotischen Auflagen nicht nachkommen, werden bestehende Subventionen und vor allem Länder, die den Katu zur Verfügung gestellt werden, bzw. auf denen sie geduldet werden zu leben, entzogen und das würde ihre Existenz noch wesentlich mehr bedrohen als alles andere. Also fügen sie sich, wo es nicht zu vermeiden geht. 

Dieses Intervenieren kann man sehr zweiseitig sehen. Denn irgendwo hat ihre Lebensweise Tradition, kommt aus bestimmten Ursprüngen über Jahrtausende. In unseren Augen manchmal grausam, manchmal unverständlich und fern von jeder Realität. Aber wer bestimmt die Realität? Ist ihre Realität nicht genauso wertvoll und richtig wie unsere?
Wer sagt, dass wir in der „richtigen“ Welt leben?

 

All das sind Fragen mit denen man von diesem Ausflug raus kommt und irgendwann wieder in unserer Welt bzw. der laotischen „normalen“ Welt ankommt.

 

Unser Tag bei den Katu ist aber noch nicht vorbei, seid gespannt auf den nächsten Teil und schaut hier.

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