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Abenteuer mit Captain Hook Teil 2

Weil der erste Teil schon so wahnsinnig lang und ausführlich war und der Inhalt auch nicht nur eine Schmökerlektüre ist, haben wir unseren Aufenthalt bei Mr. Hook ein bisschen aufgeteilt. 

 

Denn nach der Führung durch Hooks Dorf war unser Besuch bei den Katu noch nicht vorbei und es wurde ein wenig ernster. Uns wurde am Ende der Führung in Aussicht gestellt, dass wir eine Opferung eines Büffels live sehen können. Denn ein anderes Dorf, auch eines der Katu Ethnie aber eines anderen Stammes, hat heute ein großes Fest.

 

Also geht es in das 20 Kilometer entfernte Dorf, um an dem Opferfest teilzunehmen bzw. es uns zumindest mal anzuschauen.

 

An der Abbiegung zum Dorf werden wir allerdings schon etwas stutzig. Die Straße wird von einigen Männer in Militäruniformen und mit Waffen ausgestattet bewacht, jedoch stellt sich heraus, dass das nur die "Polizei" des Dorfes ist, keine offiziellen Wachposten des staatlichen Militärs, das macht die  ganze Sache aber irgendwo noch unheimlicher. Dieser Aufzug erzeugt etwas Angst und den Gedanken, ob man hier wirklich so willkommen ist?!

Im Dorf angekommen können wir zwei Büffel in der Mitte des Marktplatzes stehen sehen. Drum herum laute Musik und sehr viele Menschen welche Essen, Tanzen und Trinken (und das in rauen Mengen).

Die Büffel stehen schon in Position und an Ort und Stelle zur Opferung bereit. Das ist ein schauriger Anblick und ich kämpfe bereits jetzt schon, wie ich mit dieser Aussicht und Situation umgehen soll.

 

Wir parken unsere Motorbikes etwas abseits unter einem Haus eines Bekannten von Hook und folgen dann Hook, der uns zu seiner Schwägerin leitet. Hier sitzen wir in einem Haus auf Stelzen umzingelt und beobachtet von so unglaublich viele Menschen. Das Haus besteht nur aus einem Raum. Überall laufen Kinder herum von einem bis 16 Jahren ist jedes Alter dabei. Aber auch viele Frauen sind hier, vereinzelt Männer, die ab und an aber nur den Kopf zur Tür hereinstecken.

Wir rätseln, ob sie alle hier wohnen oder einfach nur zu Feier des Tages hier zusammen Zeit verbringen. In einer Ecke schlafen zwei ältere Menschen neben diesem ganzen Treiben hier.

Wir nehmen alle in der Mitte des Raumes Platz und bekommen Klebereis und Büffelfleisch angeboten. Das ist total nett und sie sind wirklich sehr gastfreundlich aber die Atmosphäre ist seltsam, wir sind so fremd und passen hier einfach nicht rein, fast etwas fehl am Platz. Obwohl sie sehr bemüht sind und wir eher den Eindruck haben, dass sich die meisten freuen junge und interessierte Gesichter zu sehen.

 

Man wird von allen Seiten angeschaut. Sie unterhalten sich auf ihrer Sprache und wir sitzen schweigend daneben und essen aus Höflichkeit etwas. Doch das nur bis ein deutscher, der in dem Homestay von Hook nächtigt und mitgekommen ist, sich lauthals mit uns quer durch den Raum auf deutsch unterhalten möchte und somit noch mehr Aufmerksamkeit erzeugt, als ohnehin schon existiert. Wir würden am liebsten gar nicht mehr antworten oder im Boden versinken, da es einfach auch sehr respektlos von ihm war in dieser Atmosphäre.

Die meisten können hier kein Englisch, nur Hook, der ab und zu etwas übersetzt. Ansonsten versuchen wir stillschweigend und möglichst unauffällig zu sitzen, das Treiben, das Leben und das Rauchen der Bong zu beobachten und diese sonderbare aber einmalige Situation wirken zu lassen.

 

Wir verlassen dann bald auch das Haus und gehen zurück zum Marktplatz wo irgendwann der oder die Büffel geopfert werden sollen. Wir stellen uns an den Rand des Platzes, da Hook nicht weiter in die Menge möchte, er fühlt sich offensichtlich nicht wohl dabei. Wir vermuten er genießt eine Art prominentes Dasein, da jeder ihn grüßt, aber diese Aufmerksamkeit scheint er nicht zu mögen.

Wir warten darauf, dass irgendetwas passiert. Aber keiner weiß wann das Geschehen stattfinden wird. Uhren sind hier nicht üblich. Ob es überhaupt wirklich Uhrzeiten gibt. Wir bezweifeln es. Eine Welt ohne Zeit bzw. in ihrer ganz eigenen Zeit.

Der andere Deutsche wagt sich etwas ins Getümmel und wir bleiben bei Hook stehen. Für mich ist diese Ungewissheit und meine Unsicherheit, ob ich bereit bin eine Opferung eines Büffels zu sehen, sehr aufregend. Denn Hook erzählt uns, dass die Opferung des Büffels mit Speeren stattfindet. Also es findet wohl kein schneller oder wenig qualvoller Tod des Büffels statt. Sondern eher ein lauter und langsamer.

So wie wir da stehen spüren wir, dass die Stimmung hier nicht so gut ist.

Wir erregen durch unsere Anwesenheit und unseres Aussehens und Kleidung sehr viel Aufmerksamkeit. Zudem habe ich eine kurze Hose an, da es einfach super warm ist und Hook hat vor Abfahrt nicht erwähnt dass es ratsam sei etwas überzuziehen. 

Erst auf Nachfrage sagt er, dass es generell sich nicht gehört aber jetzt okay sei. 

 

Es kommen immer mehr Menschen, viele reden ein paar Sätze mit uns, ganz viele bleiben aber einfach nur stehen und gucken. Das Englisch der meisten ist sehr schlecht bzw. Vokabular ist kaum vorhanden, sodass immer und immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden zudem sind mittlerweile auch sehr viele betrunken. Es bildet sich irgendwann sogar eine ganze Menschentraube um uns herum und Hook wird zusehends unruhiger. Und dann von jetzt auf gleich dreht er sich um und sagt, dass wir jetzt gehen müssen.

Wir sind absolut irritiert und dieses Fremde und etwas bedrohlich wirkende Stimmung begegnen wir mit höchsten Respekt. Wir folgen ihm und fragen ihn direkt, ob wir vielleicht lieber ganz gehen sollten, darauf sagt er leicht zögernd, dass es vielleicht besser sei. Er bittet uns die anderen zu suchen, insbesondere den Deutschen, der bei ihm im Homestay bleiben solle.

Wir sollen also alleine los, er selber scheint sich nicht in die großen Menschenmengen zu trauen. Auch wenn wir diese ganze Situation und Stimmung nicht zu deuten wissen oder gar einordnen können, handeln wir nach Instinkt der uns sagt die anderen zu suchen und uns auf zu machen. Die israelische Gruppe von der Kaffeeführung und auch Jeremie sind zu dem Opferfest nachgekommen. Sie wollen uns Hooks Anweisung nicht glauben aber wir haben auch keine Lust mehr Überzeugungsarbeit zu leisten. Auch sie merken, dass die Situation gegenüber uns allen bedrohlicher wird.

 

Wir gehen zu unserem Motorbike, verabschieden und bedanken uns bei Hook, der jetzt doch bleibt und uns sogar zum Abendessen in einem anderen Haus einladen möchte. Dieses hin und her und diese Atmosphäre reicht uns aber für heute als Abenteuer und wir sind froh, als wir auf der großen Straße außerhalb des Dorfes angekommen sind und das Gefühl haben wieder in einer uns bekannten und akzeptierten Welt zurückgekehrt zu sein.

Auf der Straße angekommen erhalten wir noch eine Whatsapp Nachricht von Jeremie, dass wir auf ihn warten sollen, da er auch nicht länger bleiben wolle. Diesen Gefallen tun wir ihm gerne, denn auch außerhalb dieses Dorfes gilt es in Laos oft nicht als sehr sicher, besonders in den ärmlichen Regionen.

Gerade gedacht, da kommt ein Mann mit seinem Kind auf dem Roller zielgerichtet auf uns zu. Unsere Anspannung steigt ein wenig. Er fragt woher wir kommen, wo wir schlafen, wohin wir wollen. Er rät uns zu ein paar Schlafplätzen. Wir sind etwas skeptisch aber eigentlich sieht er sehr freundlich aus und gerade mit dem Kind hinter seinem Lenkrad. Aber er sagt schließlich, dass er uns gesehen habe und er nur sicher gehen wolle, dass es uns gut geht und wir versorgt sind. Sehr, sehr lieb 😊

Da sind wir doch etwas beruhigt, dass es hier durchaus auch einfach nette und besorgte Menschen gibt.

 

Und dann sind wir wieder zu dritt, fahren auf zwei Motorbikes durch die Nacht, noch immer vollgepumpt vom Adrenalin, was wir da heute alles gesehen, gehört, erlebt und gefühlt haben, auf der Suche nach einem Schlafplatz für heute.  

 

 

In Sekong der Stadt für heute Nacht angekommen, nachdem uns 100000 Mücken und Fliegen in den Mund, Nase und Augen geflogen sind, finden wir ein Guesthouse und sind erstmal nur froh jetzt wieder in halbwegs bekannteren Gewässern unterwegs zu sein.

 

 

Was ein Tag. Man weiß gar nicht wie man sich fühlt, so viele Eindrücke haben heute unsere Gehirne gestürmt. Wir sind völlig platt. Und für mich persönlich gesprochen habe ich auch ein großes Stück zu verarbeiten. Dieses Leben, das diese Menschen leben ist irgendwo beeindruckend aber auch von viel Gewalt und Ungerechtigkeit und für mich „unnormalen“ Lebensweisen geprägt, dass muss ich langsam sacken lassen und definitiv mal eine Nacht drüber schlafen. 

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