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So schnell sieht man sich wieder Bangkok, wer hätte das gedacht?

Die Versorgung in Laos hat uns leider wenig überzeugt. Stellen wurden vergessen zu nähen, Wunden absolut dürftig und grob gereinigt. Keine Ratschläge wie es weiter gehen soll. Und die Sprachbarriere einfach sehr, sehr schwierig.

Zudem läuft unser Visum eh aus.

Wir haben länger hin und her überlegt. Verschiedene nähere Städte nach deren Krankenhäusern und deren Versorgung recherchiert.

Unser Ziel dieser Reise war es so wenig zu Fliegen wie es eben geht.

Doch unsere Körper, die Wunden, Schmerzen sind durchaus aushaltbar, doch Laufen und Bewegen tut weh, vor allem mit dem Gepäck. Hier ist ein Moment in dem man schon mal drüber nachdenkt, wie unpraktisch doch so Rucksäcke sein können, wenn man keine gesunden Beine hat. Ich bin gerade so in der Lage mein eigenes Gewicht zu halten und im Schneckentempo mal ein paar 100 Meter zu gehen. 

Eine Busfahrt von mehreren Stunden kommt daher kaum in Frage und somit ist unser Radius sehr eingeschränkt.

Schließlich fällt die Entscheidung, dass wir uns richtig durchchecken lassen wollen und nicht einfach irgendwie. Wir wollen sicher gehen, dass soweit alles gut ist und wir unsere Reiseziele weiter verfolgen können.

Und die beste Versorgung werden wir wohl in Bangkok erhalten.

Doch mit dem Bus wäre das eine wahnsinnige Fahrt. Mal eine Stunde im Café zu sitzen ist aber schon grenzwertig. Also bleibt nur noch die Option zu fliegen. Leider.

Also fliegen wir von Pakse nach Bangkok. Und das ist durchaus eine Erfahrung wert :D

Am Flughafen in Pakse angekommen sehen wir, dass es hier nur Propellermaschinen gibt.

Also Fliegen wir mit einem kleinen Flugzeug mit Propeller nach Bangkok.

In Bangkok angekommen wartet sogar ein Rollstuhlservice auf mich, den die laotische Airline netterweise sofort organisiert hat, nachdem sie gesehen haben, wie ich zum Flugzeug gehumpelt bin.

Wir konnten uns nicht vorstellen, wie angenehm das sein kann bzw. wie schnell man durch den Flughafen, gerade durch diesen unfassbar riesigen in Bangkok, durchkommen kann und einreisen kann.

Ein netter junger Mann schiebt mich in einem Rollstuhl einmal quer durch den Flughafen, wir dürfen sogar schneller immigrieren und zwar über den Diplomatenweg, das Gepäck wird für uns organisiert und auch ein Taxi und schwupp sind wieder mitten in Bangkok. Wer hätte gedacht, dass wir uns so schnell wieder sehen?! Wir definitiv nicht.

Mit dem Taxi fahren wir in ein Hotel mitten in der Stadt, eine kleine Oase in dieser riesigen Stadt und für uns ein wirklich ein schöner Ort um hier ein paar Tage zu verweilen und unsere Verletzungen gut ausheilen zu lassen.

Wir gehen auch direkt beim Krankenhaus vorbei, owohl es Wochenende ist aber wir möchten auch möglichst zeitnah Gewissheit haben, dass wir gesundheitlich auf dem richtigen Weg sind.

Wir entscheiden uns für ein privates, internationales Krankenhaus, dass über Google sehr viele und sehr gute Bewertungen hat.

Dort angekommen ist es wie in einem 1000-Sterne Hotel. Nicht direkt wie ein Krankenhaus. Wir werden registriert und gehen dann weiter zum Arzt. Ohne lange Wartezeit kommen wir zu unserem Doktor, der uns untersucht. Alle Wunden werden endlich mal gut gereinigt und ordentlich verbunden.

Wir fühlen uns wirklich in guten Händen und sind froh, dass der Arzt sagt, dass soweit eigentlich alles gut aussieht.

Nur Richis Fuß ist immer noch sehr dick und vermutlich liegt da eine Infektion vor. Aber genau weiß er es auch nicht. Aufgrund des Unfallhergangs und auch der Versorgung in Laos bekommen wir nochmal Antibiotikum verschrieben.

In den nächsten Tagen werden wir aber nochmal zum Röntgen, zum Orthopäden und zum Fädenziehen wiederkommen. Und bis dahin ist Schonen angesagt.

Viel Ruhe, leichte Bewegung, weil ich unheimliche Angst vor Thrombosen habe, aber der Körper braucht definitiv Zeit sich zu erholen. Man spürt es in jeder Faser des Körpers. 

Eingangsbereich vom Krankenhaus in Bangkok

 

Aussicht über Bangkok aus dem Wartezimmer 

Fädenziehen: die erste Etappe


Für ein paar Meter brauche ich Stunden und ganz schnell schwellen die Beine an und es ist alles anstrengend, Schmerzen durchziehen den Körper. Aber es ist einfach eine gute Schutzfunktion, denn so ist die Gefahr des Übernehmens nicht so hoch.

Nur ist es nicht so leicht eingeschränkt zu sein. Essen kommt nicht von alleine. Richi ist leicht fitter als ich und versucht alles zu kompensieren, was ich nicht kann. Aber auch er muss sich eigentlich viel mehr schonen.

Irgendwann fällt uns aber fast die Decke auf den Kopf und der Arzt hat mittlerweile die Hälfte der Fäden gezogen, es sieht soweit alles ganz gut aus, deswegen entscheiden wir uns, dass wir raus müssen, dass wir mal etwas anderes sehen müssen, sonst werden wir irre.

Wir entscheiden uns für Pattaya. Pattaya ist in zwei Stunden mit dem Bus zu erreichen, ein gutes Krankenhaus ist auch vor Ort (das dass mal ein Kriterium für einen Ortswahl zu treffen...ich kann es fast nicht glauben). Auch Meer und Strand sind direkt vor Ort, sodass wir uns da hinlegen, rauskommen aber uns weiterhin schonen können. 

Hoteloase mitten in Bangkok


In Pattaya angekommen naht schon unsere erste Fahrt auf einem Zweirad, denn die Taxis sind verhältnismäßig teuer und um ein wenig schneller als mit weniger als einem km/h unterwegs zu sein ist das die beste Option.

Also wird ein Roller gemietet und die erste Fahrt zum Krankenhaus, um die restlichen Fäden ziehen zu lassen steht vor der Tür.

Dazu muss man sagen, dass Pattaya eine furchtbar volle Stadt ist, Straßen viel, viel zu klein für so viel Verkehr. Aber wir haben auf unserer Reise noch einige Rollerfahrten vor uns, wir wollen ja schließlich mehr als Bahnhöfe und Busse sehen, also ist Konfrontationstherapie angesagt. Auf ins Getümmel, Konfrontation mit dem asiatischen Verkehr, da hilft nichts.

Für uns beide eine Herausforderung. Richi als Fahrer verspürt mehr Druck und Verantwortung denn je. Wie schnell ist so ein Unfall passiert und auch nachvollziehbar, dass man sich als Fahrer eher in der Schuld sieht.

Er ist ein super gewissenhafter, sicherer und guter Fahrer, dass darf er nun nicht vergessen und auf sein Können vertrauen und wieder Selbstsicherheit gewinnen. Das alles ist nach solchen Ereignissen aber nicht so einfach, denn der Schock sitzt tief.

Auch bei mir sitzt der Schock tief, das merkt man, sobald es los geht. Autos um einen herum, Roller, man muss die Augen überall haben.

Obwohl man keine Schuld hatte, ist doch ein kleiner Moment manchmal sehr gravierend.

Distanzen einschätzen und vor allem irgendwie etwas weniger Misstrauen in andere Verkehrsteilnehmer zu stecken ist eine Aufgabe.

Eine Straße zu überqueren dauert für uns momentan gefühlt Jahre. Können wir gehen? Reicht der Platz, hat das Auto/ der Roller uns gesehen? Wie schnell fährt er, schaffen wir das?

Das alles verunsichert ungemein.

Aber uns ist bewusst, da müssen wir durch, besser wird es nicht mehr und laut Statistik hat man einmal im Leben einen Unfall, den haben wir gehabt und der reicht für den Rest des Lebens aus haben wir beschlossen. 

Die Tage verfliegen wie im Nu und wir sind total froh hier rausgefahren zu sein, auch wenn Pattaya wirklich nicht die schönste Stadt ist, sondern zu 90% wie ein Rotlichtmilleu wirkt oder der Ort in dem westliche Touris, thailändische Frauen suchen. Das ist wirklich sehr auffällig hier.

Und so manches fühlt es sich auch für uns komisch an, so als asiatisch-westliches Paar hier zu sein, denn im Grunde sehen viele andere Paare auch so aus, nur das viele der Frauen aus dem Katalog kommen :D

Und Richi mich im Gegensatz quasi gratis bekommen (:D).

Aber gut wir nehmen es mit Humor.

Der Strand tut gut, man muss sich nicht viel bewegen, kann das Wetter geschützt im Schatten genießen und aufpassen, dass sich keine Sandkörner in der Wunde verirren.

Aber die andere gesunde Hälfte kann das Meer genießen.

Endlich fühlt es sich wieder nach etwas Leben und Teilhabe an und wir können den Geschmack nach Abenteuer, Reisen und Wandern schon schmecken und malen uns aus, wie das wieder sein wird, wenn wir mal wieder Stunden gehen können.

In unseren gesunden Körpern ist es so selbstverständlich, doch es ist so ein hohes Gut, fit und gesund zu sein. Das haben wir definitiv zu spüren bekommen.

Die kleinen Sachen des Alltags ohne Schmerzen, Ächzten, Zucken und Unmengen an Zeit zu bewältigen. Es fängt beim Duschen an, Hotels ohne Aufzug, einkaufen, Essen gehen, da hört es auf.

Aber wir merken kleine Fortschritte, viele der Dinge können schon viel schneller erledigt werden und so langsam können wir sogar wieder richtig duschen.

 

Und wir machen kleine Unternehmungen. Fahren zum sehr bekannten Sanctuary of Truth einer Art Freizeitpark in dem sich ein riesiger Holztempel befindet. 

Wahnsinnig beeindruckend durch dieses Gebäude zu schreiten, im Schall des stetigen Hämmerns der Schnitzarbeiten, die wohl nie ein Ende haben werden.

Entspannen am Strand von Pattaya, auch wenn das Meer nur von Fernem betrachtet werden kann.

Aber die Planung muss weitergehen. Aber mit bisschen schönerer Sicht als nur die Wand des Hotelzimmers.


Mit den kleinen Fortschritten planen wir auch unsere weitere Reise.

Für uns geht es nach Vietnam. Wir entscheiden uns schweren Herzens gegen Kambodscha. Wir hätten wirklich, wirklich gerne Angkor Wat gesehen. Wären so gerne durch das Land gereist, das mit so vielen Tempel und einer wahnsinnigen Geschichte lockt. Doch auch dort herrschen noch vereinfachte Bedingungen als in Vietnam. Und für richtig lange Busfahrten sind wir auch noch nicht in Hochform. Zudem rennt uns die Zeit einfach weg.

Wir planen uns mit Julian, einem Freund aus Deutschland Ende Mai/ Anfang Juni zu treffen und jetzt ist schon Ende April. Doch durch den Unfall sind viele Wochen einfach so verstrichen und wir müssen Abstriche machen und Prioritäten setzten. Und wir wollen auf jeden Fall Vietnam sehen.

Also begeben wir uns nach ein paar Tagen Erholung und Regenerationszeit in Pattaya nach Bangkok zurück und von dort aus geht es mit dem Flugzeug nach Ho Chi Minh/ Saigon.

Wir freuen uns weiter zu kommen, auch wenn wir noch nicht ganz zu 100% durchstarten können, dennoch kommt wieder Bewegung und Reisefreude auf 😊

Auf dem Weg der Besserung und schon voller Vorfreude auf ein neues Land - Vietnam!!

 

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