Kein Vietnam ohne den Vietnamkrieg

War Remnant Museum Saigon HCMC Vietnam Peace
Frieden

Um 12 müssen wir auschecken. Alles gepackt. Die Backpacks können wir unten stehen lassen, bevor es abends dann mit dem Nachtbus nach Da Lat geht.

Die Zeit bis dahin vertreiben wir uns mit mexikanischem Essen und einem Besuch im War Remnants Museum.

Und klar worum es in dem Museum geht, DEM Vietnamkrieg. Klar haben wir schon vorher viel gehört, doch hier nochmal alles Stück für Stück und in vielen Details nachgehen zu können ist sehr eindrücklich.

Es ist kein Geheimnis, dass dieser Krieg einer der schlimmsten und grausamsten Kriege war. Doch die Dokumentation, die Bilder, die es möglich machen die Grausamkeit des Krieges ohne Verschonung darzustellen, machen nochmal deutlich was in den 17 Jahren Krieg passiert ist. Und wie barbarisch die US Armee vorgegangen ist.

So einige Male muss man sehr tief durchatmen. Die Bilder sacken lassen und nicht nur uns geht es so. Wir begegnen vielen betroffenen Gesichter, hier und da hört man ein tiefes Durchatmen oder sieht Menschen mit Tränen in den Augen

War Remnant Museum Saigon Photography Vietnam
Fotografien im Museum

- Der Krieg ist noch nicht zu Ende-

 

Bemerkenswert ist die Sachlichkeit mit der hier berichtet wird.

In den ersten unteren Räumen hat man sogar den Eindruck, dass die amerikanischen Soldaten nicht so schlecht wegkommen, wie erwartet.

Wir hätten mit viel mehr Gräueln gerechnet.

Aber es scheint, dass irgendwie ein Stück weit Vergebung stattgefunden hat. Auch wenn man spätere Treffen der Mächte und die Entwicklung der politische Beziehung etwas verfolgt, verdichtet sich dieser Eindruck.

Ich habe einen Artikel gefunden der eindrücklich zeigt, wie die Einstellung der Vietnamesen den Amerikaner gegenüber ist, siehe hier .

 

Nicht, dass der Krieg stattgefunden hat macht die Vietnamesen so betroffen, denn sie haben gesiegt, da scheinen sie fast stolz zu sein, doch wie er stattgefunden hat, das ist unverzeihlich, dass wird mit jedem Schritt und jedem Plakat immer deutlicher.

Und Agent Orange – dessen Auswirkungen bis heute anhalten, dass ist das was den Krieg und seine Folgen einfach noch nicht vorbei sein lässt. 

Agent Orange  usage in Vietnam
Die schwarze Fläche kennzeichnet die betroffenen Gebiete

- Zahlen, Daten, Fakten-

 

Ein paar harte Fakten, die das nochmal alles veranschaulichen:

800.000 Bomben wurden nach Kriegsende hinterlassen,

6,1 Mio. Hektar Land sind von Bomben und Mienen verseucht gewesen.

9,284 Gemeinden sind mit Bomben verschandelt worden.

Zwischen den Jahren 1975-2002 wurden weiterhin 42.135 Menschen durch Bomben und Explosionen getötet und 62143 Menschen verletzt. Also der Krieg ist einfach noch nicht vorbei.

Während des Krieges wurden um die 3 Millionen Vietnamesen getötet, darunter 2 Millionen Zivilisten, weitere 2 Millionen Menschen sind verletzt worden und 300.000 sind einfach verschwunden.

80 Millionen(!) Liter Entlaubungsmittel, von denen 61% Agent Orange waren, wurden über 26000 Dörfern versprüht, was einer Umgebung von 3,06 Millionen Hektar Land entspricht und das ganze nicht nur einmalig auf jener Fläche, sondern meist wiederholend. Das entspricht etwa 12% von Deutschland. Eine Zahl und Fläche, die fast nicht vorstellbar ist.

Und als wir so durch das Museum gehen sind, immer wieder Zitate von Kriegsopfern angeschlagen.

Ich fand sie so berührend und irgendwie wurde das Bild des Krieges nochmal greifbarer mit jeder persönlichen Aussage und persönlichen Kontakt, der hier geschaffen wurde.

 

“It was wiped out until there was nothing left on the ground, so that they appeared as lakes of rice fields. Looking over the bridge, the only thing that one could see was the blazing fire and billowing column of smoke from the burning petrol station covering a corner of the sky.” (Mr. Chu Chi Thanh, war reporter)

 

[Es wurde alles ausgelöscht bis nichts mehr auf dem Boden war, sodass alles erschien wie die Seen der Reisfelder. Beim Blick von der Brücke war das einzige was man sehen konnte, loderndes Feuer und pralle Rauchsäulen der brennenden Tankstelle, die jede Ecke des Himmels ausfüllten.]

 

“I mourn you with tears of blood from my heart, Why did they kill you, Ha, just why? The question painfully twists into my heart!...”

 

[Ich trauer um dich mit Tränen aus Blut meines Herzens. Warum haben sie dich getötet, Ha? Warum nur? Diese Frage dreht sich schmerzhaft in meinem Herzen.]

 

“I participated in surgical sessions continuously from Sunday midnight to Tuesday noon until there were no other patients remaining. We operated seven surgery tables for bones and limbs, brain injuries and abdominal wounds.

I only remember the continuous, seemingly never ending surgeries that we had to do, there were too many patients, to the point we didn’t have enough surgical gloves or blouse and had to boil, dry them, put them on and reuse them just to continue performing surgeries.” (Mr Dao Xuan Tich, a former Viet Doc Hospital in Ha Noi)

 

[Ich habe Operationen von Sonntag Mitternacht bis Dienstagnachmittag durchgeführt bis keine Patienten mehr vorhanden waren. Wir haben an sieben OP Tischen an Knochen, Gliedmaßen, Gehirnverletzungen und Bauchwunden operiert.

Ich erinnere mich nur noch an die andauernden, die nie zu Enden scheinenden Operationen, die wir hatten, es waren zu viele Patienten, sodass wir zu einem Zeitpunkt nicht mehr genug medizinische Handschuhe oder Kittel hatten und diese abkochen und trockenen mussten, um sie wieder zu benutzen, um überhaupt weitere Operationen durchführen zu können ]

Different signs for solidary movement for Vietnam at war
Solidarität mit Vietnam - Weltweit

Diese Situationen sind nicht ausmalbar.

Und dann die Massen an Waffen und teilnehmenden Nationen und Proteste, die um die ganze Welt gingen.

Und das alles aufgrund einer Lüge und nur um den Kommunismus niederzuschlagen.

Und keine Entschuldigung und kein Eingeständnis.

 

Unfassbar.

 

Wir verlassen mit etwas schweren Gemütern das Museum. Aber wir finden es in jedem Land sehr wichtig mehr von seiner Geschichte zu erfahren und zu spüren und sich damit einfach auseinander zu setzen, was das Land ausmacht und welche Narben es trägt. Denn somit können wir unseren Blick erweitern.

 

 

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